Genaue Daten zur Frage, wie viele Menschen wegen Umwelt- und Klimaveränderungen fliehen müssen, gibt es nicht. Grenzüberschreitende Migration wegen Umweltveränderungen wird nur vereinzelt erfasst .
Zahlen gibt es vor allem zur Frage, wie viele Personen wegen Extremwetterereignissen innerhalb ihres Landes vertrieben oder umgesiedelt werden. Darunter sind auch Personen, die nach kurzer Zeit wieder in ihre Heimat zurückkehren. Fachleute gehen davon aus, dass auch diese Daten zu niedrig sind. Denn sie enthalten hauptsächlich Vertreibungen infolge von großen Naturkatastrophen und keine Migration wegen langsamer Klimaveränderungen.
Binnenvertriebene
Laut Internal Displacement Monitoring Center ( IDMC ) gab es 2025 knapp 29,9 Millionen Binnenvertreibungen wegen Extremwetterereignissen und Naturkatastrophen. Das sind 35 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr 2024 (45,8 Millionen), in dem die Zahl stark gestiegen war.
Der Großteil der Vertreibungen 2025 fand in Ländern des Globalen Südens statt. Mit knapp 17,5 Millionen wurden in Ostasien und der Pazifikregion am meisten Personen vertrieben.
- Südasien: 4,6 Millionen
- Amerikanischer Kontinent: 4,3 Millionen
- Sub-Sahara Afrika: 2,9 Millionen
- Naher Osten und Nordafrika: 294.000
-
Europa und Zentralasien: 291.000
Stürme verursachten mehr als die Hälfte der Vertreibungen. Fast alle Vertreibungen 2024 fanden wegen Stürmen, Überschwemmungen, Waldbränden, Erdrutschen und Dürren statt. Auch wenn solche Extremwetterereignisse durch den Klimawandel häufiger werden, können nicht alle auf ihn zurückgeführt werden.
Rund 9,8 Millionen Menschen lebten laut IDMC Ende 2024 als Vertriebene von Extremwetterereignissen und Naturkatastrophen innerhalb ihres Landes – 29 Prozent mehr als 2023. Die Zahl liegt unter der Zahl der Vertreibungen, da diese auch wiederholte Vertreibungen enthält und auch Personen wieder zurückkehren konnten.
Laut einer Berechnung von UNICEF 2023 wurden zwischen 2016 und 2021 rund 43 Millionen Kinder wegen Wetterextremen intern vertrieben, vor allem wegen Überschwemmungen und Stürmen.
Zahlen zu klimabedingter Migration in Deutschland
Laut IDMC wurden in Deutschland zwischen 2008 und 2024 rund 84.000 Personen intern durch Ereignisse wie etwa Waldbrände, Überschwemmungen und Stürme vertrieben. Die meisten beim Hochwasser in Mitteleuropa 2013 (53.00 Vertriebene) und den Hochwassern und Fluten im Juli 2021 (16.000 Vertriebene), bei denen über 180 Menschen ums Leben kamen.
Wer ist besonders betroffen?
Der Globale Süden ist besonders von den Folgen von Naturkatastrophen und Extremwetterereignissen betroffen. Knapp 60 Prozent der intern Vertriebenen aufgrund von Extremwetterereignissen und Naturkatastrophen befand sich 2024 in Sub-Sahara-Afrika (5,7 Millionen). In Süd-Ost-Asien mit der Pazifikregion gab es 3,3 Millionen vertriebene Menschen. In Europa und Zentralasien waren es 597.000, auf den amerikanischen Kontinenten 103.000. In Ländern, die besonders für hohe Emissionen verantwortlich sind, werden weniger Menschen intern vertrieben. Die USA wiesen 2024 zwar eine hohe Zahl an kurzfristigen Vertreibungen auf, viele Menschen konnten aber wegen hoher Katastrophenresilienz wieder zurückkehren.
Eine Meta-Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung ( PIK ) zeigt: Migration aufgrund klimatischer Veränderungen findet vor allem innerhalb der Länder (Binnenmigration) oder in Richtung von Ländern mit geringen oder mittlerem Wohlstandsniveau statt. In Länder mit mittlerem Einkommen migrieren besonders viele Personen. In Ländern mit niedrigen Einkommen weniger, unter anderem fehlen dort die Ressourcen. Klimabedingte Migration findet vor allem dort stark, wo viele Menschen von der Landwirtschaft abhängig sind.
Reichere Länder haben mehr Möglichkeiten, sich an die Umweltveränderungen anzupassen oder die Bevölkerung davor zu schützen. Auch wenn es dort weniger Vertriebene gibt, zeigen sich in Ländern des Globalen Nordens stark die Auswirkungen der Klimakrise: Deutschland liegt laut der Organisation Germanwatch 2022 auf Platz 17 der Länder weltweit, die besonders von Wetterextremen wie Überschwemmungen, Hitzewellen und Stürmen betroffen waren. Laut Klimawirkungs- und Risikoanalyse von 2021 könnte sich Deutschland bis Ende des Jahrhunderts zu einem globalen Risiko-Hotspot entwickeln.
Frauen sind stärker von den Folgen der Klimakrise betroffen. Manche Studien sagen, dass sie seltener migrieren um etwa Einkommensausfälle auszugleichen, andere gehen davon aus, dass Frauen häufiger diesen Weg wählen werden.