Der Fachkräftemangel ist in den letzten Jahren zu einem der größten Probleme der deutschen Wirtschaft geworden. Hauptgrund ist der demographische Wandel und die alternde Bevölkerung in Deutschland. In den kommenden Jahren wird sowohl die Bevölkerung als auch die Zahl der Beschäftigten schrumpfen, so eine Schätzung von Ende 2025. Während der Fachkräftemangel 2025 wegen der Wirtschaftsflaute etwas zurückgegangen ist, dürfte er langfristig wieder ansteigen.
Bis zum Jahr 2029 werden etwa 440.000 Arbeitskräfte fehlen, trotz Zuwanderung und stärkerer Einbindung der Bevölkerung, so eine Schätzung des Fachkräftemonitorings des Bundesarbeitsministeriums. Der Mangel ist deutlich größer als bisher angenommen, vorher war man von einem "Überangebot" von 29.000 Arbeitskräften ausgegangen. Hauptgründe für die geänderte Prognose sind aktualisierte Statistiken zum demographischen Wandel und eine gesunkene Zuwanderung im Jahr 2025.
Bisher ging man davon aus, dass langfristig eine Nettozuwanderung von mindestens 400.000 Personen im Jahr notwendig sei, um die Folgen der alternden Bevölkerung auszugleichen. Grundlage war eine Schätzung von 2021 des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Eine aktuellere Prognose der Bertelsmann-Stiftung von November 2024 geht von einem niedrigeren Bedarf aus. Demnach ist bis 2040 eine jährliche Nettozuwanderung von 288.000 bis 368.000 Personen nötig. Neben Zuwanderung gibt es weitere Strategien gegen den Fachkräftemangel: die Frauenerwerbstätigkeit weiter zu erhöhen und mehr Menschen zu qualifizieren.
In welchen Berufen fehlen Fachkräfte?
Fachkräfte sind in den vergangenen Jahren in vielen Berufen und Regionen deutlich knapper geworden: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verzeichnete für Ende 2024 Engpässe in 163 Berufsgruppen – die Zahl ist zurückgegangen, liegt aber weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Zum Vergleich: Während es 2017 in 25 Berufsgruppen Engpässe gab, fehlten bis 2022 in 200 Berufsgruppen Fachkräfte. Stand 2024 mangelt es in etwa jedem siebten untersuchten Beruf an Fachkräften. Großer Bedarf besteht vor allem in den Pflege- und Gesundheitsberufen, sowie im Handwerk und in den Bauberufen. Darüber hinaus gibt es Engpässe im technischen Bereich, in Verkaufsberufen, im Gastronomieservice, sowie bei Berufskraftfahrer*innen im Güterverkehr.
Die Engpässe bedeuten oft, dass Stellen lange unbesetzt bleiben. Ein Beispiel: In der Altenpflege konnten 2025 offene Stellen im Schnitt mehr als sechs Monate lang (222 Tage) nicht besetzt werden.
Ein Problem für Unternehmen
Auch die Unternehmen sehen Probleme: Laut einer Umfrage hatten 2025 mehr als ein Drittel aller befragten Unternehmen Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen (36 Prozent). Besonders betroffen sind mittelständische Unternehmen, so der jüngste Fachkräftereport des Deutschen Industrie- und Handelskammertags von Dezember 2025. Damit hat sich die Lage etwas entschärft: Im Jahr 2022 hatte noch die Hälfte aller Unternehmen solche Schwierigkeiten. Langfristig dürfte sich die Situation wieder verschlechtern: Fast alle Unternehmen sehen in den kommenden Jahren Probleme bei der Stellenbesetzung (83 Prozent). Mehr als die Hälfte der Unternehmen sah im Report von 2023 Arbeitskräfte aus dem Ausland als mögliche Gegenstrategie (55 Prozent).
In welchen Ländern Deutschland um Fachkräfte wirbt
Medienberichten zufolge will die Bundesagentur für Arbeit in Zukunft vor allem in 13 Ländern um Arbeitskräfte werben: in Brasilien, Mexiko, Kolumbien und Ecuador, Marokko, Tunesien, Ägypten, Jordanien, Indien, Indonesien, Usbekistan und Ghana sowie auf den Philippinen.
Nicht nur Fachkräfte fehlen
Häufig wird in der Debatte um Arbeitskräftezuwanderung von "Fachkräfteeinwanderung" gesprochen. Expert*innen weisen jedoch daraufhin, dass in vielen Wirtschaftsbereichen, beispielsweise im Dienstleistungsbereich, auch ungelernte Arbeitskräfte dringend gesucht werden. Oft wäre es also präziser, von einem "Fach- und Arbeitskräftemangel" zu sprechen.
Wichtige Quellen
• Bundesagentur für Arbeit: Jährliche Fachkräfteengpassanalyse, Link
sowie Interaktives Datenportal mit Details zum Bedarf in einzelnen Branchen, Link, und die Übersicht zu Fachkräfte-Engpässen in verschiedenen Berufen, Link
• DIHK-Arbeitsmarkt- und Konjunkturreport: Jährliche Umfrage bei Unternehmen, Link
• Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2025): Fachkräftemonitoring für das BMAS, Mittelfristprognose bis 2029, Link