Menschen mit Migrationshintergrund haben ein doppelt so hohes Armutsrisiko wie der Rest der Bevölkerung. Besonders betroffen sind Menschen, die selbst eingewandert sind. So lag die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2025:
- bei 33,5 Prozent bei Ausländer*innen, die selbst eingewandert sind,
- bei 24,8 Prozent bei Menschen mit Migrationshintergrund und
-
bei 12,3 Prozent bei Menschen ohne Migrationshintergrund.
Auch wenn Zugewanderte einen Job haben, sind sie stärker von Armut bedroht (16,1 Prozent) als Beschäftigte ohne Migrationshintergrund (7,6). Und auch Abitur schützt nicht immer vor Armut: Menschen mit Migrationshintergrund und Abitur sind ähnlich häufig von Armut bedroht (19,4 Prozent) wie Menschen ohne Migrationshintergrund und Hauptschulabschluss (19,3), so das Statistische Bundesamt .
Definition der Armutsgefährdungsquote
Die Quote wird gemessen am mittleren Einkommen der Bevölkerung ("relative Einkommensarmut"). Als "armutsgefährdet" gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss. Wenn das mittlere Einkommen steigt, können auch Menschen unter die Armutsschwelle fallen, obwohl sie nicht weniger verdienen als vorher.
Für Kinder aus Einwandererfamilien ist die Gefahr größer, in Armut zu leben: Laut einer Studie des Kinderhilfswerks Unicef von 2023 sind Kinder von ausländischen Eltern 2,4-fach häufiger von Einkommensarmut betroffen als Kinder ohne Einwanderungsgeschichte.
Ein höheres Armutsrisiko haben Zugewanderte zum Beispiel , weil sie noch nicht so lange in Deutschland leben, geringe Deutschkenntnisse haben, ihre Schulabschlüsse aus dem Ausland nicht anerkannt werden oder sie Diskriminierung am Arbeitsmarkt erleben.
Rassismus erhöht Armutsrisiko
Häufig wird eine geringere Bildung oder schlechter bezahlte Arbeit für das höhere Armutsrisiko verantwortlich gemacht. Doch auch unmittelbare Diskriminierung dürfte eine Rolle spielen. Das legen neuere Studien nahe, die sich besonders "rassistisch markierte" Menschen angeschaut haben. So erleben einige Gruppen häufiger Diskriminierung, zum Beispiel Schwarze Frauen oder muslimische Männer – und sie haben ein deutlich höheres Armutsrisiko als Deutsche oder Migrant*innen ohne "sichtbaren" Migrationshintergrund.
Ein Beispiel: Laut einer Befragung des "Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor" von 2022 haben Schwarze Männer ein deutlich höheres Armutsrisiko. Jeder fünfte von ihnen (22 Prozent) hat ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Damit sind sie doppelt so häufig von Armut bedroht wie nicht von Rassismus betroffene Männer in vergleichbaren Lebenslagen (11 Prozent), so die soziodemografisch bereinigten Ergebnisse der Befragung.
Ein guter Schulabschluss und und ein Vollzeit-Job schützen nicht gleichermaßen vor Armut. So ist jede 5. rassistisch markierte Frau trotz Vollzeit-Job von Armut bedroht (viermal so hoch wie bei nicht rassistisch markierten Menschen). Der Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft kann das Risiko deutlich senken, in Armut zu leben, besonders bei Schwarzen und asiatisch gelesenen Männern.
Armutsgefährdungsquote – welche Daten gibt es?
EU-SILC-Daten
Die amtliche Hauptdatenquelle für die Messung von Armut auf Bundesebene, die auch oben verwendet wird, ist
EU-SILC
. Mit diesen Daten wird das jeweilige Einkommen des vergangenen Jahres erfasst, und darauf basierend wird die Armutsgefährdungsquote berechnet. Es werden auch unregelmäßige
Einkommen
erfasst.
Mikrozensus
Armutsgefährdungsquoten werden auch aus Mikrozensus -Daten berechnet, was jedoch nur das reguläre Einkommen für den Monat vor der Datenerhebung dokumentiert. Dadurch werden unregelmäßige Einkommen nicht so gut erfasst, weshalb EU-SILC eine detailliertere Aussage über die Armutsgefährdung der Bevölkerung treffen kann.