Migrantinnen und Migranten verdienen weniger als ihre nicht zugewanderten Kollegen – und das obwohl sie häufig in systemrelevanten Berufen arbeiten.
Laut einer Auswertung in der Fachzeitschrift Nature von 2025 für Deutschland und 8 weitere Staaten verdienen Eingewanderte (also ausländische Arbeitskräfte ) im Schnitt 20 Prozent weniger (19,6 Prozent) als Nicht-Eingewanderte. In der zweiten Generation seien es immer noch 7,7 Prozent. Insbesondere Nachkommen von Personen aus Afrika und dem Nahen Osten seien weiterhin benachteiligt, so die Auswertung. Drei Viertel des Lohnunterschieds ließen sich darauf zurückzuführen, dass Eingewanderte seltener in hochbezahlten Branchen oder Positionen arbeiten. Etwa ein Viertel des Unterschieds ergebe sich aus ungleicher Bezahlung innerhalb desselben Unternehmens und derselben Position.Quelle
Daten einer Auswertung des Mediendienstes zu Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft zeigen: sie verdienen im Schnitt deutlich weniger als ihre deutschen Kolleg*innen (2.900 Euro zu 3.900 Euro brutto, 2023). Die bereinigte "Lohnlücke" für ausländische Frauen lag laut früheren Berechnungen bei etwa 17,6 Prozent. Das heißt, ihre Löhne lagen niedriger als bei ihren männlichen, deutschen Kollegen, und zwar unabhängig von ihrer Qualifikation und den Anforderungen in ihrem Beruf. Besonders groß sind die Lohnunterschiede bei Frauen aus Osteuropa und aus Asyl-Herkunftsländern, so eine Rechnung des Minor-Kontors von 2024.Quelle
Auch Frauen mit Migrationshintergrund verdienen weniger:
Was sind die Gründe?
Die Forschung sieht verschiedene Gründe für die "Lohnlücke": Laut einer Daten-Auswertung von 2025 liege der Hauptgrund nicht in ungleicher Bezahlung bei gleicher Tätigkeit, sondern in eingeschränktem Zugang zu besser bezahlten Branchen oder Positionen. Drei Viertel des Lohnunterschieds ließen sich darauf zurückzuführen, dass Eingewanderte häufiger in schlechter bezahlten Branchen oder Positionen arbeiten. Etwa ein Viertel des Unterschieds ergebe sich aus ungleicher Bezahlung innerhalb desselben Unternehmens und derselben Position. Das zeigt sich auch in der Jobwahl: Ausländische Beschäftigte (Frauen und Männer) arbeiten häufiger in Berufen, die zwar Mangelberufe sind, aber schlechter bezahlt werden (z.B. Reinigung oder Pflege). Auch wenn ihr Anteil in Engpass-Berufen steigt, bleibt die Lohnlücke bestehen oder wächst sogar, so eine Minor-Berechnung von 2025. Ausländische Frauen arbeiten besonders oft in Helfertätigkeiten und Stellen, für die sie eigentlich überqualifiziert sind, so eine Kofas-Auswertung von 2026.Quelle
Außerdem werden ihre Abschlüsse aus dem Ausland häufig über lange Zeit nicht als gleichwertig anerkannt. Oder sie müssen sich erst weiterbilden oder Deutschkenntnisse aufholen. So lange arbeiten sie für weniger Geld. Außerdem erleben sie Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Zudem übernehmen Frauen noch unbezahlte Arbeit in Familie und Haushalt, weshalb sie häufiger in Teilzeit arbeiten.Quelle
Zum Migrant-Pay-Gap
Zugewanderte Männer und Frauen verdienen weniger: Zahlreiche Studien zeigen immer wieder eine "Lohnlücke" bei Migrant*innen – selbst bei gleicher Qualifikation und Branche. Verschiedene Studien kommen zu einem "Migrant-Pay-Gap" zwischen 5 und 20 Prozent. So zum Beispiel eine Studie des IQ-Netzwerks/Minor von 2023 oder vom ZEW von 2008 bei Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Eine gute internationale Übersicht findet sich in der ILO-Studie von 2020, die einen durchschnittlichen "Migrant-Pay-Gap" von 12,6 Prozent berechnet hat. Eine Studie in der Fachzeitschrift Nature von 2025 kommt auf eine Lücke von 19,6 Prozent für "Eingewanderte", also ausländische Arbeitskräfte. Laut einer internationalen Studie der OECD (mit Daten von 2000 bis 2015) ist das "Lohngefälle" in Deutschland besonders groß und verringert sich nur langsam (von 43 auf 33 Prozent nach fünf Jahren).Quelle
Während die oben genannten Studien häufig zu einem deutlichen "bereinigten" Lohnunterschied zwischen 5 und 20 Prozent kommen, fanden zum Beispiel Forscher vom IAB in einer Studie 2019 keinen solchen Unterschied, sondern erklärten sich die bestehenden Unterschiede mit individuellen Faktoren.Quelle