Unterbringung und Versorgung
Wenn die Familie eines Kindes oder Jugendlichen auch später nicht gefunden wird, lebt es bis zu seinem 18. Lebensjahr in einem Heim. Für die Minderjährigen ist ein Deutschkurs und Schulunterricht sowie eine Umgebung mit Freunden und Bekannten sehr wichtig. Um ihnen in ihrer prekären Lage diese Stabilität bieten zu können, werden Minderjährige nicht wie Erwachsene nach dem Königsteiner Schlüssel in ganz Deutschland verteilt. Sie bleiben an dem Ort, an dem sie vom Jugendamt in Obhut genommen wurden, was dazu führt, dass sie häufig in Großstädten leben.Laut dem Bundesfachverband UMF soll ein Gesetzentwurf die Umverteilung der jungen Flüchtlinge nach bundesweiten Quoten beschließen, dass ihnen wie erwachsenen Flüchtlingen ein Wohnort zugewiesen wird. Dieses Vorhaben wird von Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas und der Diakonie kritisiert Zugang zu Sach- und Gesundheitsleistungen erhalten unbegleitete Flüchtlingskinder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz . Sie haben Anspruch auf Zugang zu Schule und Ausbildung.
Wie viele minderjährige Flüchtlinge stellen einen Asylantrag?
2014 haben 4.399 unbegleitete Flüchtlingskinder und -jugendliche einen Asylantrag gestellt, die meisten von ihnen (1.052) stammen aus Afghanistan, gefolgt von Somalia und Syrien. Die Schutzquote, also der Anteil der positiven Asylentscheidungen, lag bei Kindern unter 16 bei 81 Prozent und bei Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren bei 66 Prozent. 2014 mussten sie durchschnittlich rund zehn Monaten auf die Entscheidung warten. Quelle Das Asylverfahren läuft wie bei Volljährigen ab: Auch hier entscheidet das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge (BAMF) über den Asylantrag und prüft, ob das Kind oder der Jugendlichen politisch verfolgt wird, als Flüchtling nach der Definition der Genfer Flüchtlingskonvention gilt oder ihm Lebensgefahr bei der Rückkehr in sein Heimatland droht.Laut einer BAMF-Studie raten soziale Dienste und Nicht-Regierungsorganisationen mitunter von einem Asylantrag ab, weil es oft schwierig ist, die Gründe für die Flucht geltend zu machen. Auch wenn kein Asyl beantragt oder gewährt wird, werden die minderjährigen Flüchtlingen meist geduldet, allerdings nur bis zu ihrem 18. Lebensjahr. Quelle
Woher kommen sie?
2013 kam fast jeder dritte registrierte jugendliche Flüchtling aus Afghanistan (28 Prozent) gefolgt von Somalia (14 Prozent) und Syrien (12 Prozent). Das geht aus einer Publikation des Bundesfachverbands UMF hervor, die jedoch nur die Städte und Landkreise mit mehr als 20 Inobhutnahmen durch die Jugendämter berücksichtigen kann. Ähnlich sah die Verteilung 2013 bei Asylanträgen (siehe Asylanträge) aus.
Wie viele Kinder fliehen ohne Eltern nach Deutschland?
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die ohne Eltern nach Deutschland geflohen sind, wird nicht zentral erfasst. Sie lässt sich ungefähr an der Anzahl von Inobhutnahmen durch die Jugendämter ablesen. Demnach sind die Zahlen stark angestiegen: Das Statistische Bundesamt (Destatis) registrierte für das Jahr 2014 rund 11.600 Kinder und Jugendliche, die unbegleitet eingereist sind und aufgenommen wurden. 2013 waren es nur halb so viele. Der Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (B-UMF) zählt für 2014 rund 10.400 Inobhutnahmen. Das sind beinahe doppelt so viele wie 2013, als etwa 5.600 Kinder und Jugendliche aufgenommen wurden. Die unterschiedlichen Zahlen erklärt der B-UMF folgendermaßen: Destatis zählt auch Jugendliche, die vorläufig in Obhut genommen werden und bei denen später festgestellt wird, dass sie nicht minderjährig seien. Quelle Wie viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge derzeit insgesamt in Deutschland leben, ist schwieriger einzuschätzen, weil dafür die Zahlen der regionalen Jugendämter und der lokalen Anschlusshilfe-Einrichtungen gesammelt und abgeglichen werden müssen. Zum 31.12.2014 lebten demnach laut Bundesregierung und 18.000 ausländische unbegleitete Kinder und Jugendliche in vorläufigen Schutzmaßnahmen oder Anschlussmaßnahmen. Der B-UMF zählt in einer Stellungnahme rund 14.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland.
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
Kinder und Jugendliche, die nach Deutschland flüchten, sind in besonderem Maße schutzbedürftig. Das gilt umso mehr, wenn sie ohne Eltern oder Familie geflohen sind. Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (kurz: UMF oder auch UMA) gelten besondere Regelungen, die der MEDIENDIENST hier zusammengestellt hat.
Wie viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben in Deutschland?
Anfang 2018 waren rund 54.000 unbegleitete Minderjährige und Volljährige (UMF) in Zuständigkeit der Jugendhilfe, wie das Bundesfamilienministerium auf Anfrage mitteilte . Davon waren 25.500 junge Volljährige. Ihre Zahl hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Im Vergleich: Im November 2015 waren nur rund 6.400 junge Volljährige registriert.
Einreisen : 2016 sind laut dem Statistischen Bundesamt insgesamt rund 45.000 Kinder und Jugendliche unbegleitet aus dem Ausland eingereist und wurden in Obhut genommen. Dem "Bundesfachverband" zufolge dürfte die tatsächliche Zahl der Neueinreisen deutlich darunter liegen. Die Gründe dafür: Unter anderem werden einzelne Personen mehrfach registriert.
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Inobhutnahme und Asylverfahren
Alleinreisende Flüchtlinge unter 18 Jahren werden zunächst von den Jugendämtern in Obhut genommen. Das Jugendamt organisiert die Betreuung und Unterbringung. Die Minderjährigen können zusätzlich Asyl beantragen, aber nicht alle, die in Obhut genommen wurden, tun das auch. Daher leben mehr unbegleitete Minderjährige in Deutschland als aus der Asylstatistik hervorgeht.
Wie viele unbegleitete Minderjährige stellen einen Asylantrag?
2016 : Rund 36.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) haben laut Bundesregierung m vergangenen Jahr Asyl beantragt:
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Die meisten von ihnen kamen aus Afghanistan (15.000), Syrien (10.000), dem Irak (3.000) und Eritrea (2.000). Sie machten 83 Prozent aller unbegleiteten Minderjährigen aus, die einen Asylantrag gestellt haben.
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Die Schutzquote, also der Anteil der positiven Asylentscheidungen, lag bei rund 90 Prozent.
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Im Durchschnitt mussten die Minderjährigen 8,3 Monate auf die Entscheidung warten, nachdem sie einen Antrag gestellt hatten.
2015 haben 22.300 unbegleitete Kinder und Jugendliche laut Bundesregierung inen Asylantrag gestellt. 7.800 von ihnen hatten den Antrag Ende 2015 gestellt und wurden erst 2016 "nacherfasst":
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Die meisten kamen aus Afghanistan (7.700), Syrien (7.000), dem Irak (1.900) und Eritrea (1.800). Aus diesen vier Ländern zusammen kamen über 80 Prozent aller Asylanträge von minderjährigen Jugendlichen.
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Die Schutzquote lag bei 90 Prozent.
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Sie mussten durchschnittlich 6,7 Monate auf die Asylentscheidung warten.
Laut dem Statistischen Bundesamt Destatis hat 2015 gut die Hälfte (53 Prozent) aller Kinder und Jugendlichen, die von Jugendämtern in Obhut genommen wurden, Asyl beantragt. Warum die Rate so niedrig ist, kann nicht abschließend beantwortet werden: Laut einer BAMF-Studie aten soziale Dienste und Nicht-Regierungsorganisationen mitunter davon ab, weil es oft schwierig sei, die Gründe für die Flucht geltend zu machen. Der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge erklärt auf Anfrage des MEDIENDIENSTES, dass er nur selten von Asylanträgen abrate. Es gebe jedoch viele neue Vormünder, die nicht ausreichend Kapazitäten hätten, um die Minderjährigen in Asylverfahren zu begleiten.
Aus welchen Ländern kommen sie?
2016 kamen die meisten unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber aus Afghanistan (42 Prozent), Syrien (28 Prozent) und dem Irak (acht Prozent). Quelle Diese Zahlen bilden die Realität jedoch nicht vollständig ab. Denn nicht alle Kinder und Jugendlichen, die nach Deutschland fliehen, stellen auch einen Asylantrag. Woher die meisten unbegleiteten Minderjährigen tatsächlich stammen, zeigen die Inobhutnahmen durch das Jugendamt. Laut Bundesregierung elden die Bundesländer, dass die meisten in Obhut genommenen Jugendlichen aus Afghanistan, Syrien und Eritrea kommen. Aber auch der Irak, Somalia, Gambia und Äthiopien sind häufig als Herkunftsländer vertreten.
Aus welchen Ländern kommen sie?
2017 kamen die meisten unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber aus Afghanistan (25 Prozent), Eritrea (22 Prozent) und Somalia (10 Prozent). Aber auch aus Guinea, Syrien und dem Irak kamen Minderjährige nach Deutschland.
Diese Zahlen aus der Asylstatistik bilden die Realität nicht vollständig ab. Eigentlich leben mehr unbegleitete Kinder und Jugendliche in Deutschland. Allerdings werden in der Jugendhilfe-Statistik – die umfassender ist als die zu Asylanträgen – die Herkunftsländer nicht erhoben.