Studie zu Ehrenamt 25.08.2016

Flüchtlingshilfe in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Wie hat sich das ehrenamtliche Engagement für Geflüchtete im Sommer 2015 verändert? Das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung hat Flüchtlingshelfer zu ihrem Engagement befragt. Der MEDIENDIENST stellt die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung vor.



Ehrenamtliche Helferinnen sortieren gespendete Kleidung. Foto: picture alliance / Sven Simon

Ehrenamtliche Helfer unterstützen seit Jahren Flüchtlinge in Deutschland – und geraten zunehmend ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Doch wer sind diese Menschen und was ist ihre Motivation? Und wie hat sich ihre Arbeit im Sommer 2015 verändert, als viele Geflüchtete in Deutschland ankamen? Dazu legte das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) eine neue Studie vor. Bereits 2014 hatten die Forscher die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe untersucht, so dass sie nun Aussagen darüber treffen können, was sich in einem Jahr verändert hat.

Das Fazit der aktuellen Untersuchung: Ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Für die nicht repräsentative Studie wurden rund 2.300 Flüchtlingshelfer befragt.

Wer engagiert sich?

Zwei Drittel der Befragten gaben an, sich im Jahr 2015 erstmals in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit engagiert zu haben. Drei Viertel der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer waren Frauen – etwa so viele wie im Vorjahr2014 gab das BIM eine erste Studie zur ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe heraus.. Studierende waren gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung nach wie vor stark vertreten.

Die Studie zeigt, dass sich inzwischen Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten für Geflüchtete einsetzen:

  • Flüchtlingsarbeit ist kein Jugendphänomen mehr: Die Gruppe der Helfer mit einem Alter zwischen 40 und 60 Jahren machte 2015 rund 40 Prozent der Befragten aus – 2014in der Vorgänger-Studie des BIM waren es nur 25 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der unter 30-Jährigen: Von fast 35 Prozent im Jahr 2014 auf knapp 15 Prozent im vergangenen Jahr.
  • Immer mehr Erwerbstätige helfen: Ihr Anteil an den Befragten entsprach mit rund 50 Prozent ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung. 2014 waren dagegen nur etwa 40 Prozent der Helfer erwerbstätig.
  • Flüchtlingshelfer gibt es auch auf dem Land: 2014 waren Helfer aus ländlichen Gemeinden und Kleinstädten mit 15 Prozent unterdurchschnittlich vertreten. Ihr Anteil stieg 2015 auf 35 Prozent.

Wie sind die Ehrenamtlichen organisiert und was motiviert sie?

Ein großer Teil der Befragten engagierte sich im Jahr 2015 außerhalb von Organisationen mit festen Strukturen. Viele Helfer brachten sich spontan in selbstorganisierten Gruppen (27 Prozent) oder informellen Initiativen (19 Prozent) ein oder arbeiteten sogar alleine (10 Prozent). Nur 12 Prozent waren in Vereinen organisiert (2014 waren es noch 35 Prozent).

Im Vergleich zum Vorjahr halfen mehr Befragte bei alltäglichen Problemen von Flüchtlingen. Mehr als 60 Prozent leisteten Spenden oder sortierten diese. Fast 30 Prozent der Helfer nahmen Flüchtlinge zu Amtsgängen und Arztterminen in ihren Autos mit. Beinahe die Hälfte der Flüchtlingshelfer engagierte sich in Sprachkursen.

Nur wenige Helfer meinten, Aufgaben zu übernehmen, für die eigentlich der Staat zuständig ist. Die Hälfte der Befragten sah in ihrem Einsatz eine teils staatliche und teils zivilgesellschaftliche Aufgabe. Fast alle gaben als Motiv an, die Gesellschaft im Kleinen mitgestalten zu wollen. 90 Prozent wollten "ein Zeichen gegen Rassismus" setzen.

Dagegen sahen weniger Befragte ihr Engagement als politisches Statement gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung oder für ein Bleiberecht von Geflüchteten (jeweils rund 40 Prozent). Ebenfalls wenig Zustimmung fand die Aussage, dass Deutschland mit der Aufnahme von Flüchtlingen überlastet sei. Die Ehrenamtlichen sehen die Integration von Flüchtlingen trotz ihrer hohen Zahl also als machbar an. Frustriert oder persönlich überlastet fühlte sich ein Drittel der Befragten. Fast drei Viertel fühlten sich im Gegenteil vom Ehrenamt erfüllt.

Von Magdalena Breyer