Rassismus am Arbeitsmarkt

Weniger Einladungen zu Vorstellungsgesprächen, mehr Absagen, rassistische Erfahrungen im Job: Menschen aus Einwandererfamilien und ethnischen oder religiösen Minderheiten werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert.

Viele Menschen erfahren Rassismus am Arbeitsmarkt – sie werden etwa seltener zu Bewerbungsgesprächen eingeladen oder machen Rassismuserfahrungen am Arbeitsplatz. Das zeigen repräsentative Befragungen von Betroffenen sowie Experimente, bei denen fiktive Bewerbungen verschickt werden.

In einer repräsentativen Befragung Wiederholungsbefragung von etwa 30.000 Menschen in knapp 20.000 Privathaushalten.   des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) gaben 2022 Befragungszeitraum: Mai 2022 - Januar 2023.  unter den Befragten, die im Arbeitsleben Diskrimierung erfahren haben, rund 40 Prozent an, aufgrund ihrer ethnischen Herkunft diskriminiert worden zu sein.  Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2026): "Wie Deutschland Diskriminierung erlebt", S. 40, LINK

Bei einer repräsentativen Befragung (2024/25) sagte unter Migranten und Menschen aus Einwandererfamilien in Deutschland fast jede zehnte Person (neun Prozent), dass sie aufgrund ihrer Herkunft am Arbeitsplatz benachteiligt wird. Feith, A. et al. (2026): „Wie steht es um die Chancengerechtigkeit in Deutschland?”, S. 37, Link

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ( ADS ) zählte 2023 insgesamt 2.646 Beratungsanfragen Die Beratungsanfragen bilden die tatsächlich vorkommende Diskriminierung nicht vollständig ab, da sich nicht alle Diskriminierten an die ADS wenden.  wegen Diskriminierung am Arbeitsmarkt. Davon hatten 30 Prozent (798 Anfragen) rassistische Diskriminierung Dazu zählen Diskriminierungserfahrungen aus rassistischen Gründen oder wegen der ethnischen Herkunft.  erlebt. Angaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes auf Anfrage des Mediendienstes, März und Juli 2024

Der repräsentative Mikrozensus (2021) zeigt: Menschen mit Einwanderungsgeschichte Personen, die entweder selbst oder deren beide Elternteile seit 1950 in das heutige Gebiet Deutschlands eingewandert sind  machen in Deutschland häufiger Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz (9 Prozent) als Personen ohne Einwanderungsgeschichte (7 Prozent). Unter allen Befragten, die schon einmal am Arbeitsplatz diskriminiert wurden, gaben 15 Prozent an, dass der Grund ihre Herkunft war. Die Autor*innen gehen davon aus, dass die tatsächlichen Werte noch höher liegen. Statistisches Bundesamt (2025): „Erfassung von Diskriminierungserfahrungen im EU-Labour Force Survey”, S. 38f, 41 LINK

Aus Studien geht hervor, dass sich viele Menschen mit Migrationshintergrund bei der Jobsuche benachteiligt fühlen – vor allem türkeistämmige Personen. Auch Muslim*innen und Schwarze Menschen berichten häufig von Diskriminierung im Arbeitsleben.

Benachteiligung von Muslimen und türkeistämmigen Menschen am Arbeitsmarkt

  • In einer Studie der Bertelsmann Stiftung 2022 gaben 58 Prozent Deutsche mit Migrationshintergrund (MH): 57 Prozent; ausländische Staatsangehörige mit MH: 63 Prozent  der Befragten mit Migrationshintergrund an, dass es für sie schwieriger sei, eine passende Arbeitsstelle zu finden als für die meisten anderen Menschen. Unter Befragten mit einem türkischen Migrationshintergrund und muslimischen Befragten waren es sogar jeweils 70 Prozent. Auch eine Befragung des BAMF 2023 Die Daten wurden 2020 erhoben.  stellte fest, dass sich Muslim*innen und türkeistämmige Personen häufiger bei der Stellensuche benachteiligt fühlen. Bertelsmann Stiftung (2022): „Zusammenwachsen in der Einwanderungsgesellschaft”, S. 7 f., LINK ; BAMF (2023): „Diskriminierungserfahrungen von Menschen aus muslimisch geprägten Herkunftsländern", S. 54, LINK

  • Laut einer Umfrage der EU-Grundrechteagentur ( FRA ) 2024 erlebten mehr als die Hälfte (55 Prozent) der befragten Muslim*innen in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren rassistische Diskriminierung bei der Arbeitssuche. Laut einer Studie des DeZIM 2022 berichten kopftuchtragende Musliminnen häufiger davon, eine Arbeitsstelle nicht bekommen zu haben als Musliminnen ohne Kopftuch und muslimische Männer. Zudem gab knapp die Hälfte (48 Prozent) der Musliminnen mit Kopftuch an, dass sie häufig auf Bewerbungen verzichten, weil sie erwarten, wegen ihrer Religion benachteiligt zu werden. European Union Agency for Fundamental Rights (2024): „Being Muslim in the EU", S. 53, LINK ; DeZIM (2022): „Kopftuch und Arbeit? Erfahrungen von Musliminnen und Muslimen auf dem deutschen Arbeitsmarkt”, S. 1 f., LINK ; DeZIM: „NaDiRa-Kurzstudie: Mit Kopftuch auf Jobsuche”, LINK

  • Im SVR-Integrationsbarometer 2022 gaben mehr als zwei Drittel (68,6 Prozent) der befragten türkeistämmigen Personen an, dass Deutsche und Migrant*innen auf dem Arbeitsmarkt bei gleicher Qualifikation nicht die gleichen Chancen hätten. Dies war unter allen befragten Gruppen Befragt wurden Menschen ohne Migrationshintergrund, (Spät-)Aussiedler*innen sowie Menschen mit Migrationshintergrund aus der Türkei / EU / übrigen Welt  der höchste Anteil Laut Studien könnte dies am „Integrationsparadox” liegen: Gut integrierte Personen nehmen Diskriminierung stärker wahr und sind daher negativer gegenüber dem Zielland eingestellt. Das lässt sich in Deutschland vor allem für Menschen mit türkischem Migrationshintergrund feststellen. Quelle: SVR Integrationsbarometer 2022, S. 17 (Fußnote) . SVR (2022): „Integrationsklima 2022. Leicht verbessert mit einzelnen Eintrübungen”, SVR-Integrationsbarometer 2022, S. 17, 19, LINK

Antischwarzer Rassismus am Arbeitsmarkt

  • Befragungen von Schwarzen Menschen zeigen, dass sie häufig rassistische Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt erfahren: In der repräsentativen Studie „Being Black in the EU” der EU-Grundrechteagentur 2023 Die Daten wurden 2021 und 2022 erhoben.  gaben 58 Prozent an, dass sie in den letzten 5 Jahren bei der Arbeit rassistisch diskriminiert wurden, 56 Prozent hatten dies bei der Jobsuche erlebt. Im Afrozensus 2020 gaben rund 81 Prozent der Befragten an, dass sie in den vergangenen zwei Jahren im Arbeitsleben aus rassistischen Gründen diskriminiert wurden. EU-Agentur für Grundrechte (FRA) (2023): „Being Black in the EU”, S. 41 f., LINK ; Aikins et al. (2021): „Afrozenzus”, S. 98, LINK

Ausländische Fachkräfte berichten von Diskriminierung

Auch Fachkräfte aus dem Ausland berichten von Rassismus: In einer OECD-Befragung 2023 unter ausländischen Fachkräften gaben 28 Prozent der Befragten an, dass sie bei der Arbeit aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden. Rund die Hälfte (48 Prozent) stimmte der Aussage zu, dass Menschen aus dem Ausland es in Deutschland schwerer haben, einen Arbeitsplatz zu finden und beruflich erfolgreich zu sein als Deutsche. IAB (2024): „Gute Arbeitsmarktintegration trotz bürokratischer Hürden und Diskriminierung”, S. 6, LINK ; OECD (2024): „Der Weg nach Deutschland. Ergebnisse der Schlussbefragung einer Längsschnittstudie von an Deutschland interessierten Fachkräften aus dem Ausland (Oktober-Dezember 2023)”, S. 14, 16, LINK

Menschen mit Migrationshintergrund haben ein erhöhtes Armutsrisiko. Auch Rassismuserfahrungen spielen dabei eine Rolle. Mehr dazu finden Sie hier .

Fiktive Bewerbungsschreiben zeigen Rassismus

Auch Experimente, wie beispielsweise Korrespondenztests Dabei werden fiktive Bewerbungen verschickt, die sich z.B. nur darin unterscheiden, dass eine Testperson ein Kopftuch trägt, eine andere nicht. , zeigen, dass bestimmte Bewerber*innen von Unternehmen benachteiligt werden:

  • Besonders stark von Diskriminierung betroffen sind Musliminnen, die ein Kopftuch tragen: Eine Studie mehrerer Forschungsinstitute 2023 Die Korrespondenztests wurden 2017–2018 durchgeführt.  zeigt, dass sie seltener positive Rückmeldungen auf Bewerbungen erhalten als Bewerberinnen anderer Gruppen Für die Studie wurden Bewerbungen von Musliminnen mit/ohne Kopftuch, von Frauen aus Minderheiten ohne religiöse Merkmale und von Frauen aus der Mehrheitsbevölkerung verschickt. . Das betrifft besonders Berufe mit viel Kundenkontakt. Aus einer Studie von 2016 geht hervor, dass Musliminnen mit türkischem Namen, die ein Kopftuch tragen, sich viermal so oft bewerben müssen, um für ähnlich viele Bewerbungsgespräche eingeladen zu werden wie Bewerberinnen mit deutschem Namen, die kein Kopftuch tragen. Fernández-Reino, Di Stasio, Veit (2023): „Discrimination unveiled: a field experiment on the barriers faced by Muslim women in Germany, the Netherlands, and Spain”, S. 489 f., LINK ; Weichselbaumer (2016): „Discrimination against Female Migrants Wearing Headscarves”, S. 12 f., LINK

  • Laut einer Studie aus dem Jahr 2018 erhalten Menschen mit Migrationshintergrund deutlich seltener eine positive Rückmeldung auf ihre Bewerbungen als Menschen ohne Migrationshintergrund. Die Chancen variierten je nach Herkunftsland: Besonders schlecht standen sie für Menschen mit einem albanischen, marokkanischen oder äthiopischen Migrationshintergrund. Etwas bessere Chancen hatten Bewerber*innen mit Migrationshintergrund aus einem westeuropäischen Land sowie aus Japan oder China. Koopmans, Veit, Yemane (2018): „Ethnische Hierarchien in der Bewerberauswahl: Ein Feldexperiment zu den Ursachen von Arbeitsmarktdiskriminierung”, S. 21 ff., LINK

  • Ausländische Bewerber*innen werden in höherqualifizierten Berufen stärker diskriminiert als in geringqualifizierten Berufen: Zu diesem Ergebnis kam 2019 eine Studie , in der Schweizer Hotelbetriebe fiktive Bewerbungen von Menschen unterschiedlicher Herkunft beurteilen sollten. Während die Betriebe Schweizer Staatsangehörige für die Arbeit an der Hotelrezeption deutlich bevorzugten, wurde bei Bewerber*innen für Reinigungsberufe kaum nach Herkunft unterschieden. Auer et al. (2019): „The matching hierarchies model: Evidence from a survey experiment on employers’ hiring intent regarding immigrant applicants”, S. 91, 107, LINK

Diskriminierung im Jobcenter

Eine Studie zu institutionellem Rassismus (2026) fand Hinweise auf Rassismus in Jobcentern. So werde etwa Sinti und Roma und Menschen aus Osteuropa Leistungsmissbrauch unterstellt. In einer Befragung berichteten Muslim*innen ebenfalls von Diskriminierung in Jobcentern. Universität Leipzig (2026): Abschlussbericht der InRa-Studie „Institutionen & Rassismus”: Rassismus in deutschen Institutionen und institutioneller Rassismus in Deutschland, S. 125-135, LINK

Ein Experiment (2017) zeigt, wie Rassismus bei der Jobvermittlung aussehen kann: Wissenschaftler*innen verschickten dazu fiktive E-Mails mit deutsch, türkisch und rumänisch klingenden Namen an Jobcenter. Die Behörden antworteten zwar auf alle Mails, schickten den Fragesteller*innen mit ausländischen Namen aber häufiger unzureichende und weniger detaillierte Informationen. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (2017): Pressemitteilung vom 8. September 2017, „Besser Schneider oder Schmidt heißen”, LINK