Zahl antimuslimischer Straftaten

Straftaten gegen Muslime werden in Deutschland erst seit 2017 systematisch erfasst. Viele Delikte sind politisch rechts motiviert. Die meisten Betroffenen melden antimuslimische Vorfälle und Straftaten nicht.

Im ersten Quartal 2026 registrierten die Behörden 104 islamfeindliche Straftaten, die meisten waren politisch rechts motiviert. Die Zahlen sind vorläufig, es können Nachmeldungen folgen.Bundestag (2026): „Drucksache 21/6530”, S. 2f, 12ff

2025 zählte die Polizei 1.753 islamfeindliche Straftaten, darunter 93 Körperverletzungen. Die meisten Delikte waren politisch rechts motiviert (85,2 Prozent). Die Gesamtzahl ist im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gesunken.Bundesinnenministerium (2026): „Fallzahlen Politisch motivierte Kriminalität 2025”, S. 17, Link

2024 hatte die Polizei 1.848 islamfeindliche Straftaten gezählt, darunter 83 Körperverletzungen. Die Gesamtzahl war im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Viertel angestiegen (+ 26 Prozent) und hatte einen neuen Höchststand erreicht. Von 2022 auf 2023 hatte sich die Zahl mehr als verdoppelt (+ 140 Prozent).Bundesinnenministerium (2025): "Fallzahlen Politisch motivierte Kriminalität 2024", S. 13, (eigene Berechnung), LINK

Welche Statistiken gibt es neben den polizeilich erfassten Fällen?

Nicht alle antimuslimischen Vorfälle werden angezeigt oder von der Polizei als muslimfeindlich erkannt: Die Europäische Grundrechteagentur (FRA) stellte in einer Umfrage zwischen 2021 und 2022 fest: In Deutschland melden nur vier Prozent der Betroffenen muslimfeindliche Vorfälle und Straftaten. Eine nicht-repräsentative Studie der Organisation ClaimClaim - Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit ist ein Bündnis aus 50 muslimischen und nicht-muslimischen zivilgesellschaftlichen Initiativen. LINK zeigt: In Deutschland meldet die Mehrheit der Betroffenen (57 Prozent) Übergriffe nicht und nimmt keine Beratungsangebote in Anspruch.European Union Agency for Fundamental Rights (2024): "Being Muslim in the EU", S. 58, LINK; Perry, S. et al. (2023): "Erfahrungen und Umgangsstrategien von Betroffenen von antimuslimischem Rassismus", S. 17, 18, 24f, LINK

Claim führt daher jährlich eigene Zählungen durch. 2025 erfasste die Organisation 4.096 strafbare und nicht strafbare VorfälleGezählt wurden Fälle von 38 Beratungs- und Meldestellen aus 15 Bundesländern, Fallmeldungen des Meldeportals "I-Report", Fallzahlen aus Antworten auf parlamentarische Anfragen und aus der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität, Fälle aus Pressemeldungen der Polizei und Medienberichten und aus KI-gestütztem, manuell überprüftem Online-Monitoring. Dazu zählen Beleidigungen, Körperverletzungen, Bedrohungen und Tötungen. Besonders häufig betroffen sind muslimische Frauen. Die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr um knapp 33 Prozent gestiegen (2024: 3.080). Dabei ist zu berücksichtigen, dass mehr Beratungsstellen als im Vorjahr Fälle für den Bericht gemeldet haben und 2025 zudem ein KI-gestütztes Monitoring als Datenquelle hinzukam. Claim geht sowohl bei den selbst erfassten als auch bei den polizeilich registrierten Zahlen von einem großen Dunkelfeld aus.Claim (2026): "Zivilgesellschaftliches Lagebild antimuslimischer Rassismus 2025", S. 23ff, 30, 36f, 40

Antimuslimische Vorfälle und Straftaten nach dem 7. Oktober 2023

Nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 gab es Berichte, dass antimuslimische Vorfälle in Deutschland zunahmen.

  • Insgesamt war die Zahl der antimuslimischen Straftaten 2023 deutlich gestiegen. Schon vor dem Angriff der Hamas hatte die Zahl der registrierten Straftaten zugenommen. Der Mediendienst hat zur Entwicklung mit Fachleuten gesprochen.
  • Das Netzwerk Claim registrierte im Oktober 2023 einen starken Anstieg von Meldungen und Beratungsanfragen. Zwischen 7.10. und 31.12.2023 zählte Claim 679 antimuslimische Vorfälle Claim zählt strafbare und nicht strafbare Vorfälle von Beratungs- und Meldestellen aus fünf Bundesländern, Fallmeldungen des Meldeportals "I-Report" und Fälle aus Pressemeldungen der Polizei und Medienberichten.

  • In einer Chronologie (2024) zeigte Zeit Online eine Auswahl antimuslimischer Vorfälle und Straftaten in Deutschland seit dem Überfall der Hamas auf Israel.Deutscher Bundestag (2024): "Drucksache 20/11292", LINK; (2023): "Drucksache 20/9262", LINK, eigene Berechnungen; Claim (2024): "Zivilgesellschaftliches Lagebild antimuslimischer Rassismus, Fälle 2023", S. 27f, LINK; (2023): "Pressemitteilung - Gewaltvolle Übergriffe, Drohungen, Diskriminierungen: Zahl antimuslimischer Vorfälle bundesweit erneut gestiegen", LINK; "Claim warnt vor einer Zunahme von antimuslimischem Rassismus: Aktuell drei antimuslimische Vorfälle pro Tag in Deutschland", LINK; Bundeskriminalamt (2024) auf Anfrage des Mediendienst; Zeit Online (2024): „Was Muslimen in Deutschland passiert”