Sie lehnen das Grundgesetz ab, zahlen keine Steuern und behaupten, das "Deutsche Reich" bestehe bis heute fort: Die Szene der sogenannten Reichsbürger hat im letzten Jahr immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Bundesweites Aufsehen erregte 2016 ein Vorfall in Georgensgmünd: Bei einer Razzia in seinem Haus schoss ein „Reichsbürger“ auf Polizisten. Ein Beamter kam ums Leben, zwei weitere wurden verletzt.Kurz darauf gab das Bundesinnenministerium bekannt, dass „Reichsbürger“ künftig bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Beate Bube, Präsidentin des Landesamtes für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg, sagte bei einem Pressegespräch des MEDIENDIENSTES in Mannheim: „Der Vorfall in Bayern, mehrere Gewalttaten auch in anderen Bundesländern und ein zunehmend aggressives Verhalten gegenüber Vertretern des Staates haben deutlich gemacht, dass ‚Reichsbürger’ eine Aufgabe für die Sicherheitsbehörden sind.“Allein in Baden-Württemberg zählt der Verfassungsschutz etwa 2.200 „Reichsbürger“. Viele von ihnen bereiten den Behörden Probleme, erklärte Bube: Mitarbeiter an Gerichten, Landrats- und Finanzämtern seien immer häufiger mit Fällen konfrontiert, in denen „Reichsbürger“ Gerichtsverhandlungen störten, Steuerzahlungen verweigerten oder Behörden mit Briefen bombardierten. „Das beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit staatlicher Einrichtungen“, so Bube. Ihre Behörde biete deshalb Schulungen an, um Staatsanwälte, Richter und Beamte auf den Umgang mit der Szene vorzubereiten.
Pressegespräch
Wie umgehen mit „Reichsbürgern“?
Do., 30. November 2017
12:00
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