Ausländer sind im Fernsehen und in Print-Medien überrepräsentiert, wenn es um Kriminalität geht. Das zeigen Langzeitanalysen des Journalismusprofessors Thomas Hestermann aus den letzten Jahren. In einer Expertise für den Mediendienst Integration hat er Daten aus 2025 ausgewertet. Sie zeigen: Die Überrepräsentation von ausländischen Tatverdächtigen in deutschen Leitmedien ist stärker denn je zuvor.
Zur Mediendienst-Expertise "Kriminalität und Migration: Das Bild in deutschen Medien" hier (PDF).
Die Ergebnisse im Überblick
- Ein Viertel der TV-Berichte über Gewaltdelikte benennt die Herkunft der Tatverdächtigen. Von diesen TV-Berichten handeln 94,6 Prozent von ausländischen Tatverdächtigen. Das ist der höchste bislang gemessene Wert im Verlauf der Langzeitanalyse seit 2007.
- Ein Drittel der Print-Berichte über Gewaltdelikte benennt die Herkunft der Tatverdächtigen. 90,8 Prozent dieser Print-Berichte beziehen sich auf ausländische Tatverdächtige.
- Der polizeilich erfasste Anteil ausländischer Tatverdächtiger bei Gewaltdelikten beläuft sich laut der polizeilichen Kriminalstatistik (2024) auf 34,3 Prozent. Ausländische Tatverdächtige sind damit in den Medien etwa dreifach überrepräsentiert.
- Fast drei Viertel der ausländischen Tatverdächtigen in den Medienberichten stammen aus überwiegend muslimischen Ländern (TV 70,3 Prozent, Print 70,1 Prozent). Dies ist deutlich mehr, als die Polizeiliche Kriminalstatistik für die diese Länder ausweist (15,8 Prozent). Tatverdächtige aus muslimisch geprägten Herkunftsländern sind somit in deutschen Leitmedien mehr als vierfach überrepräsentiert.
Mediale Verzerrung bei Anschlägen und Terror
Berichten Medien unterschiedlich intensiv über Anschläge, je nach dem, ob die Tatverdächtigen Ausländer oder Deutsche sind? Bislang gibt es dazu keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Journalist*innen haben verglichen, wie viele Medienberichte über die Anschläge in München (Februar 2025) und Mannheim (März 2025) erschienen sind. Das Ergebnis: Medien berichteten doppelt so oft über den Anschlag in München, bei dem der Tatverdächtige ein Ausländer war. In beiden Fällen fuhr der Attentäter mit einem Auto absichtlich in eine Menschenmenge und tötete jeweils zwei Menschen. Täter in München war ein afghanischer Asylsuchender, der eine islamistische Motivation gehabt haben könnte. Tatverdächtiger in Mannheim ist ein Deutscher, der offenbar Kontakte ins rechtsextreme Milieu hatte.