Im Jahr 2025 zählte das Bundeskriminalamt (BKA) rund 29.200 Straftaten als Messerangriffe. Als solche gelten „Tathandlungen, bei denen der Angriff mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person angedroht oder ausgeführt wird”. Das sind fast genau so viele Messerangriffe wie 2024 (+ 0,8 Prozent). Dazu zählen unterschiedliche Straftaten wie etwa Bedrohungen (ca. 13.700 Delikte), vollendete und versuchte Körperverletzungen (9.200), vollendete und versuchte Raubdelikte (4.400), sexuelle Nötigung (88) sowie Mord und Totschlag – vollendet und versucht (994).
In den vergangenen Jahren erfasste das BKA Messerangriffe insbesondere in den Kategorien „gefährliche und schwere Körperverletzung” und „Raubdelikte”. Sowohl bei den Körperveletzungen als auch bei Raubdelikten ging die Zahl der Messerangriffe 2025 um circa sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.
Die Zahl der Delikte, bei denen die Tatwaffe ein Messer ist, nimmt zu oder sinkt tendenziell mit der Gesamtzahl der entsprechenden Delikte. So ging die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen 2025 um rund zwei Prozent zurück im Verhältnis zu 2024. Raubdelikte gingen um rund sieben Prozent zurück. Schaut man sich die beiden Entwicklungen im Verhältnis an – also, wie sich der Anteil der Messerangriffe innerhalb des jeweiligen Straftatbereichs verändert hat – ergibt sich folgendes Bild: Bei Körperverletzungen ging der Anteil 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozentpunkte zurück, bei Raubdelikten um 0,1 Prozentpunkte.
Welche Rolle spielt die Nationalität?
Ausländische Tatverdächtige sind sowohl in der Kriminalstatistik generell als auch im Bereich der Messerkriminalität überrepräsentiert. Bundesweite Daten zu Tatverdächtigen gibt es nicht: In allen Ländern, die Daten zur Staatsangehörigkeit der Tatverdächtigen im Bereich Messerkriminalität erfassen, liegt der Anteil der nicht-deutschen Tatverdächtigen über dem Ausländeranteil der Gesamtbevölkerung.
Die meisten Tatverdächtigen sind männlich (mehr als 85 Prozent) und erwachsen (mehr als 60 Prozent).
Warum ausländische Tatverdächtige in der Statistik überrepräsentiert sind, hat der Mediendienst Integration hier erklärt.
„Messerkriminalität” ist kein einheitliches Phänomen
Unter Messerkriminalität fallen unterschiedliche Konstellationen, etwa
- Situationen, in denen gezielt ein Messer mitgeführt wird, um ein bestimmtes Delikt zu begehen: zum Beispiel einen Raub, eine Nötigung oder eine Körperverletzung im häuslichen Bereich
- Psychische Ausnahmesituationen: wenn etwa eine psychisch kranke Person auf eine oder mehrere Personen einsticht
- Situationen, in denen Personen zwar ein Messer dabeihaben, dessen Einsatz aber nicht konkret geplant ist. Im Falle eines Konflikts oder einer Eskalation wird es dann schneller benutzt, weil es gerade verfügbar ist. Laut dem Kriminologen Prof. Dr. Stefan Kersting macht die letzte Konstellation den größten Teil der sogenannten Messerkriminalität aus.
Mehr Jugendliche führen eine Waffe bei sich
Repräsentative mehrjährige Dunkelfeldstudien unter Schülern und Schülerinnen in Niedersachsen (2013 – 2024) zeigen: Insgesamt tragen knapp neun Prozent der Jugendlichen in der Freizeit und 26 Prozent der Jugendlichen in der Schule selten eine Waffe bei sich. Die am häufigsten bei sich getragene Waffe ist dabei das Messer. Das Mitführen eines Messers ist allerdings in den letzten Jahren seltener geworden: 2024 sagten 6,8 Prozent der Befragten, sie tragen es in der Schule (2022 waren es noch 7,3 Prozent); 19,3 Prozent in der Freizeit (2022: 20,6 Prozent). Warum mehr Jugendliche sich bewaffnen, ist bislang nicht erforscht. Kriminologen vermuten , dass Angst, Männlichkeitsnormen und fehlende Konfliktfähigkeit die Gründe sind.
Die Niedersachsen Dunkelfeld-Studie hat keinen Zusammenhang zwischen dem Mitführen von Waffen und der Migrationsgeschichte festgestellt. Jugendliche der ersten Migrationsgeneration tragen demnach seltener eine Waffe mit sich als Jugendliche ohne Migrationsgeschichte. Zwischen Jugendlichen zweiter Migrationsgeneration und Jugendlichen ohne Migrationsgeschichte, sowie zwischen Jugendlichen erster und zweiter Migrationsgeneration bestehen keine signifikanten Unterschiede.
Eine vergleichbare Dunkelfeldstudie zu Erwachsenen gibt es nicht. Eine Studie, die Verurteilungen von Straftätern mit Schwerpunkt auf Messerkriminalität untersuchte, kam zu dem Schluss, dass unter anderem Gewalterfahrungen und psychische Belastungen Risikofaktoren für Messerkriminalität sind. Kulturelle Faktoren wie etwa Religion spielen hingegen keine Rolle.