Ausländischen Jugendliche sind in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) überdurchschnittlich vertreten: 2025 wurden 165.082 Tatverdächtige zwischen 14 und 18 Jahren erfasst, 50.172 hatten einen ausländischen Pass, also rund 30 Prozent. In der Bevölkerung zwischen 15 und 20 Jahren lag der Anteil ausländischer Personen 2025 bei rund 16,6 Prozent.
Die Tatverdächtigenbelastungszahl – also die Tatverdächtigen pro 100.000 Personen – ist unter ausländischen mehr als doppelt so hoch wie unter deutschen Jugendlichen (9.946 im Vergleich zu 4.299).
Die PKS gibt keinen Aufschluss darüber, wie viele Straftaten Jugendliche mit Migrationshintergrund begehen. Die Daten zeigen: Unter allen deutschen Jugendlichen ist der Anteil der Tatverdächtigen in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen. Zugleich waren unter den deutschen Jugendlichen zunehmend mehr Personen mit Migrationshintergrund. Befragungen zeigen: Jugendliche mit Migrationshintergrund berichten nicht oder kaum häufiger davon, leichtere Delikte begangen zu haben. Bei Gewalt liegt die Rate über der von Personen ohne Migrationshintergrund.
Der Kriminologe Christian Walburg hat 2023 eine Expertise für den Mediendienst zum Thema erstellt. Die finden Sie hier als PDF.
Warum werden ausländische Jugendliche häufiger straffällig?
Fachleuten zufolge gibt es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Jugendkriminalität und Migration: Jugendliche mit Migrationshintergrund und ausländische Jugendliche sind sehr diverse Gruppen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten und Erfahrungen. Sie wachsen aber häufiger unter Bedingungen auf, die Kriminalität begünstigen.
Generell gilt: Männliche Jugendliche begehen deutlich häufiger Straftaten als weibliche. Oft haben sie ein Männlichkeitsbild, demnach sich ein Mann durch Stärke beweisen muss. Eine zentrale Rolle spielen die Freundeskreise sowie die familiäre und ökonomische Situation: Eine wenig zugewandte oder gar gewaltsame Erziehung, fehlende Ressourcen, um Kinder zu fördern und zu beaufsichtigen, sowie das Aufwachsen in benachteiligten Stadtteilen und dadurch fehlende Freizeitmöglichkeiten.
So liegt etwa die Armutsgefährdung bei unter 18-Jährigen ohne Migrationshintergrund bei 6,8 Prozent, mit Migrationshintergrund bei 23,3 Prozent. Zudem zeigen Befragungen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger Gewalterfahrungen machen. Eine Rolle spielen auch Diskriminierungserfahrungen: Sie können dazu führen, dass sich die Jugendlichen weniger zugehörig fühlen. Besonders belastend können die Umstände für junge Geflüchtete sein, etwa in Gemeinschaftsunterkünften.
Bis 2015 starker Rückgang der Jugendkriminalität, dann Anstieg
Starker Rückgang bis 2015: Kriminelles Verhalten unter Jugendlichen ist in den letzten 20 Jahren stark zurückgegangen, sowohl bei leichten Vergehen als auch bei Gewaltdelikten. Diese haben sich zwischen Mitte der 2000er und Mitte der 2010er mehr als halbiert. Gründe sind Kriminologen zufolge Präventionsprogramme an Schulen, weniger gewaltsame Erziehung und eine niedrigere Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen. Die Entwicklung zeigt sich an den Belastungszahlen für deutsche Jugendliche.
Seit 2016 ist Kriminalität unter Jugendlichen wieder angestiegen (einen kurzen Einbruch gab es während der Corona-Pandemie). Für den Anstieg der letzten Jahre nennt das BMI als einen Grund psychische Belastungen. Zwischen 2024 und 2025 ist sie allerdings wieder leicht gesunken: 2025 lag der Anteil von Jugendlichen, die wegen eines Gewaltdelikts von der Polizei registriert wurden (Tatverdächtigenbelastung bei Gewaltkriminalität) bei 0,9 Prozent – 2024: 1 Prozent.
Diese Tendenz bestätigt auch die langjährige Dunkelfeldstudie des Kriminologischen Instituts Niedersachsen. Der Studie zufolge gingen Eigentumsdelikte unter Jugendlichen zwischen 2022 und 2024 leicht zurück (minus 0,5 Prozent), während Gewaltdelikte leicht angestiegen sind (Plus 0,3 Prozent).
Befragungen zeigen auch: Jugendkriminalität ist keine Ausnahmeerscheinung. Viele Jugendliche begehen irgendwann eine Straftat, meist leichte Delikte wie Sachbeschädigungen. Ab 16 bis 17 Jahren machen sie das bereits deutlich seltener, und mit Mitte bis Ende 20 verhalten sich nur noch wenige kriminell. Ein kleiner Teil der Jugendlichen – etwa fünf bis sieben Prozent – begehen öfter, teils auch schwere Delikte.