Begehen Ausländer öfter Straftaten als Deutsche?

In der polizeilichen Kriminalstatistik sind Ausländer überproportional vertreten. Alter, Geschlecht und sozioökonomische Bedingungen spielen eine Rolle.

2025 registrierten die Behörden in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) insgesamt 2.054.855 Tatverdächtige. Von ihnen hatten rund 40 Prozent (823.609) keine deutsche Staatsangehörigkeit. Ohne ausländerrechtliche Verstöße Das sind Verstöße, die fast ausschließlich von Ausländern begangen werden können, wie etwa Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht oder die unerlaubte Einreise.   gab es 1.908.383 Tatverdächtige, von ihnen waren 677.951 nichtdeutsch – das entspricht 35,5 Prozent.  Bundesministerium des Inneren (2026): Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Seite 45 und 46, Link

Die Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) ohne ausländerrechtliche Verstöße lag 2025 für Deutsche bei 1.813, für Ausländer bei 4.788. Das bedeutet: von 100.000 in Deutschland lebenden Deutschen wurden 1.813 Personen als Tatverdächtige registriert. Von 100.000 in Deutschland lebenden Ausländern wurden 4.788 Personen als Tatverdächtige registriert. Die TVBZ von Ausländern ist damit 2,6-Mal höher als bei Deutschen. Bundesministerium des Inneren (2026): Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Seite 49, Link

Methodik: Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) ohne ausländerrechtliche Verstöße

  • Ohne ausländerrechtliche Verstöße : Um die Zahlen von deutschen und ausländischen Tatverdächtigen zu vergleichen, müssen die „ausländerrechtlichen Verstöße” herausgerechnet werden, denn: Das sind Verstöße, die fast ausschließlich von Ausländern begangen werden können, wie zum Beispiel die unerlaubte Einreise . Die PKS gibt daher immer eine Differenzierung zwischen den Zahlen mit und ohne ausländerrechtlichen Verstößen an.
  • Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) : Diese Zahl dient dazu, die Kriminalitätsbelastung bestimmter Bevölkerungsgruppen (z.B. nach Alter, Geschlecht oder Staatsangehörigkeit) im Verhältnis zu ihrer Größe in der Gesamtbevölkerung abzubilden. Sie wird je 100.000 Einwohner einer Gruppe berechnet und ermöglicht damit einen direkten Vergleich, auch wenn die Gruppen unterschiedlich groß sind. Ins Verhältnis gesetzt wird die Anzahl der Tatverdächtigen ab 8 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland und die Gesamtbevölkerung ab 8 Jahren. Bundesministerium des Inneren (2026): Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Seite 47, Link

Warum sind Ausländer überproportional in der Polizeilichen Kriminalstatistik vertreten?

35,5 Prozent Dies beinhaltet alle Straftaten mit Ausnahme der ausländerrechtlichen Verstöße, zur Erklärung siehe oben  der Tatverdächtigen waren im Jahr 2025 Ausländer. Sie sind damit in der Polizeilichen Kriminalstatistik überproportional vertreten: Der Anteil ausländischer Staatsbürger an der gesamten Wohnbevölkerung in Deutschland liegt bei rund 15 Prozent.  Bundesministerium des Inneren (2026): Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Seite 46, Link ; Statistisches Bundesamt (2024): „Bevölkerung nach Migrationshintergrund und Geschlecht”, Erstergebnisse 2023, LINK

Allerdings ist der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen nicht direkt vergleichbar mit dem Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung in Deutschland: Unter Straftaten von Ausländern werden alle Straftaten von Ausländern erfasst – auch von solchen, die ihren Wohnsitz gar nicht in Deutschland haben. Dazu zählen zum Beispiel Touristen und Personen, die gezielt nach Deutschland einreisen, um eine Straftat zu begehen. Diese Personen sind aber nicht in den oben genannten 15 Prozent der ausländischen Wohnbevölkerung in Deutschland enthalten. Ein Beispiel aus dem Jahr 2023: Hier hatten insgesamt 19,5 Prozent der ermittelten ausländischen Tatverdächtigen ihren Wohnsitz im Ausland, bei weiteren 7,5 Prozent war der Wohnsitz unbekannt. Bundeskriminalamt (2024): Polizeiliche Kriminalstatistik, T29 Tatort-Wohnsitz-Beziehung nach nichtdeutschen Tatverdächtigen, Link

Dies ist auch ein Grund, warum neuere Statistiken mit der Tatverdächtigenbelastungszahl (Erläuterung siehe oben) arbeiten. Diese Zahl berücksichtigt nur Menschen, die in Deutschland wohnen. Auch, wenn man diesen Faktor berücksichtigt, zeigt sich eine 2,6 mal höhere Straffälligkeit von Ausländern im Verhältnis zu Deutschen. 

Wie kommt es zu dieser überproportionalen Kriminalität? In der Polizeilichen Kriminalstatistik, in der Dunkelfeldforschung und in Studien werden folgende Faktoren als häufigste Gründe bzw. wahrscheinlichste Erklärungen genannt:

Ausländer werden öfter angezeigt und kontrolliert

  • Höhere Anzeigebereitschaft gegenüber Ausländern: Studien haben gezeigt, dass „Personen”, die als „fremd” wahrgenommen werden, häufiger angezeigt werden als Personen, die als „deutsch” wahrgenommen werden. So wurde in Bezug auf jugendliche Gewaltdelikte erforscht: Sind Opfer und Täter deutsch, wird in 7,9 Prozent der Fälle angezeigt, ist das Opfer deutsch und der Täter nichtdeutsch, wird in 22,4 Prozent der Fälle die Polizei informiert. Dieser Unterschied ist vor allem deshalb erheblich, da rund 90 Prozent aller Straftaten, die in der PKS aufgeführt werden, durch Anzeige in die Statistik gelangt sind. Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, Jugendliche in Niedersachsen (2024). Ergebnisse des Niedersachsensurveys 2025, Seite 90, Link , siehe auch Bundesministerium des Inneren (2026): Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Seite 7 „Einflussfaktoren”, Link

  • Höhere Kontrolldichte: Möglicherweise geraten Ausländer zudem schneller in die Statistik, weil sie öfter polizeilich kontrolliert werden. Studien und Befragungen haben gezeigt, dass Angehörige von Minderheiten überdurchschnittlich oft von der Polizei kontrolliert werden.  Mediendienst Integration: "Racial Profiling: Zahlen und Studien", Link , siehe auch Bundesministerium des Inneren (2026): Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Seite 7 „Einflussfaktoren”, Link

Mehr Risikofaktoren für Kriminalität unter Ausländern

  • Demografische Zusammensetzung der Tatverdächtigen: Ein gewisser Teil der häufigeren Registrierung von Ausländern ist darauf zurückzuführen, dass diese Bevölkerungsgruppe anteilig mehr junge Männer aufweist als die deutsche Bevölkerung. Bei Männern im Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter sind in allen Gesellschaften und zu allen Zeiten die höchsten Kriminalitätsraten zu beobachten. Besonders bedeutsam ist dieser Umstand bei der Einordnung der Registrierungshäufigkeit von in den letzten Jahren zugezogenen Asylsuchenden, unter denen sich erheblich mehr Männer in einem "kriminologisch relevanten" Alter befanden als in der Gesamtbevölkerung. Ein Beispiel dafür, wie stark sich die Kriminalitätsrate senkt, wenn statistisch um Geschlecht und Alter bereinigt wird, sehen Sie in der Grafik am Beispiel der Polizeilichen Kriminalstatistik Schleswig-Holsteins für die Jahre 2017-2019. Walburg, Christian (2020): „Migration und Kriminalität – Erfahrungen und neuere Entwicklungen”, BPB, Link

  • Die sozioökonomischen Lebensbedingungen, eigene Gewalterfahrungen und gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen erhöhen das Risiko, Straftaten zu begehen. Ausländer und insbesondere Geflüchtete sind häufiger mit belastenden Lebensumständen konfrontiert als Nichtmigrant*innen. So ist beispielsweise das Armutsrisiko höher und die Möglichkeiten der Teilhabe – z.B. am Arbeitsmarkt – geringer. Auch Gewalterfahrungen im Herkunftsland und auf der Flucht zählen zu den belastenden Faktoren. Eine umfassende Studie zu Gewaltkriminalität von Schülern und Schülerinnen zeigt: Es ist nicht die Herkunft an sich, sondern die Faktoren sozioökonomischer Status, Bildung, Normen, eigenes Gewalterleben sowie delinquente Freundeskreise und gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen, die das Risiko für kriminelles Verhalten erhöhen oder verringern. Mediendienst Integration (2016): „ Expertise zum Thema Kriminalität und Migration” und Walburg, Christian (2020): „Migration und Kriminalität – Erfahrungen und neuere Entwicklungen”, BPB, Link ; Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e. V. (2023): „Jugendliche in Niedersachsen. Ergebnisse des Niedersachsensurveys 2022”, Forschungsbericht Nr. 169, S. 134 ff., LINK

  • Ortsspezifische Faktoren: Eine Studie des ifo-Instituts aus dem Februar 2025 zeigt, dass ausländische Staatsangehörige in Deutschland tendenziell an Orten wohnen, die ohnehin schon eine erhöhte Kriminalitätsdichte aufweisen. Dort zu wohnen, erhöht der Studie zufolge für Einwohner – unabhängig von der Nationalität – das Risiko, straffällig zu werden. Gründe sind die Infrastruktur, wirtschaftliche Lage, Polizeipräsenz und Bevölkerungsdichte. Dass Flüchtlinge häufig in wirtschaftlich schwache Städte mit hoher Arbeitslosigkeit ziehen, liegt laut einer Studie des WZB daran, dass sie nur dort günstigen Wohnraum finden. Ifo-Instut (2025): „Steigert Migration die Kriminalität? Ein datenbasierter Blick”, Link , WZB (2025): „Flüchtlinge zieht es oft in wirtschaftlich schwache Städte”, Pressemitteilung, Link

Was erfasst die Polizeiliche Kriminalstatistik?
Die Polizeiliche Kriminalstatistik ist eine „Hellfeld”-Statistik – sie zeigt also nur die Straftaten, die polizeilich bekannt geworden worden sind. Die PKS ist außerdem eine Ausgangsstatistik : Das bedeutet, dass sie alle Straftaten enthält, die die Polizei bearbeitet hat. Die meisten dieser Fälle führen aber nicht zu einer Anklage oder zu einem Urteil. In der PKS geht es daher auch immer nur um Tat verdächtige . Ob die Tat wirklich begangen wurde, wird erst anschließend gerichtlich geklärt. Zum Dunkelfeld siehe BKA: „Kriminalistisch-kriminologische Analysen und Dunkelfeldforschung”, LINK ; zum Verhältnis von PKS und Urteilen Dezim/Harder (2024): „Falscher Verdacht? Die Kriminalstatistik der Polizei lässt viele Fehlschlüsse zu”, Link ; zur PKS siehe Bundeskriminalamt: „Polizeiliche Kriminalstatistik 2023”, LINK

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