Politische Präferenzen sind wie in anderen Gruppen auch sehr heterogen. Traditionell haben Personen mit Einwanderungsgeschichte aus Gastarbeiterländern wie der Türkei oder Italien eher die SPD gewählt, Spätaussiedler eher die CDU/CSU. Doch seit ein paar Jahren verliert besonders die SPD an Zuspruch und auch weniger Personen sind der CDU/CSU zugeneigt. Die anderen Parteien gewannen an Zustimmung.
Das zeigen auch Befragungen, die Forscher*innen nach den Bundestagswahlen durchführten:
Unterschiede in den Parteipräferenzen werden vor allem deutlich, wenn man die einzelnen Herkunftsgruppen betrachtet. Die aktuellsten Publikationen dazu sind vom DeZIM-Institut (2026) und der Konrad-Adenauer-Stiftung (2025).
Das DeZIM-Institut befragte 2023/2024 und 2024/2025 Wahlberechtigte mit Migrationshintergrund dazu, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie eine Partei wählen. Zentrale Ergebnisse:
- Die SPD wird unter allen Wählern mit Migrationshintergrund aus der EU und der MENA-Region (Naher und Mittlerer Osten und Nordafrika) sowie der Türkei als am wählbarsten wahrgenommen, gefolgt von CDU/CSU.
- Unter Menschen mit postsowjetischem Migrationshintergrund liegt die CDU/CSU vorn, dicht gefolgt von der SPD.
- Menschen mit Migrationshintergrund aus EU-Staaten bewerten die Parteien ähnlich wie Menschen ohne Migrationshintergrund.
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Die AfD wird unter allen Parteien als am wenigsten wählbar wahrgenommen, vor allem von Menschen mit Migrationshintergrund aus der Türkei, Nahost und Nordafrika. Das größte Wählerpotential hat sie unter Menschen mit postsowjetischem Migrationshintergrund.
Eine Befragung der Konrad-Andenauer-Stiftung zeigte 2025:
- Deutsche mit Migrationshintergrund würden am ehesten die CDU/CSU (25 Prozent) und die SPD (23) wählen. Darauf folgen AfD (19) und Grüne (12).
- Unter türkei- und russlandstämmigen Deutschen und Ausländern schneidet die SPD besonders gut ab.
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Unter Polenstämmigen und Spätaussiedlern ist die AfD die stärkste Kraft.
Ausführliche Informationen zu politischen Einstellungen türkeistämmiger Wähler hier auf unserer Webseite und zu postsowjetischen Wählern hier auf unserer Webseite.
Viele schätzen keine Partei als wählbar ein
In der Befragung des DeZIM-Instituts 2024/2025 schätzen weniger Menschen mit Migrationshintergrund eine bestimmte Partei als wählbar ein als in der Befragung ein Jahr zuvor. Den Forschern zufolge zeigt sich hier eine zunehmende Entfremdung von der Politik, vor allem bei Personen mit Bezügen zur Türkei, Nahost und Nordafrika. Dies bestätig Hinweise darauf, dass sich Wähler mit Migrationshintergrund nicht durch die bestehenden Parteien vertreten sehen.
Fehlendes Vertrauen in politische Systeme, mangelnde Informationen über Politik oder auch Diskriminierungserfahrungen können dabei eine Rolle spielen: Wer sich willkommen und zugehörig fühlt, geht eher wählen. Die Studie des DeZIM zeigt, dass Menschen mit Migrationshintergrund seltener glauben, dass politische Parteien aktuelle Probleme lösen können.
Die Befragung des DeZIM 2023/24 zeigt: Die wirtschaftliche Situation und die Inflation werden unter allen Befragten als wichtigste Probleme benannt. Menschen mit Migrationshintergrund geben aber häufiger an, sich um ihre wirtschaftliche Situation zu sorgen. Auch Wohnsituation, Altersvorsorge und Kriminalität beunruhigen sie mehr. Der Studie zufolge sind soziale Sicherung und Kriminalitätsbekämpfung Themen, mit denen diese Wähler gewonnen werden könnten.
Die Herkunftsregion ist laut Forschern des DeZIM-Instituts ein relevanter Erklärungsfaktor für die Wahlneigung. Geschlecht, Alter und Einkommen spielen jedoch teilweise eine größere Rolle.
Wichtige Quellen
- DeZIM-Institut (2026): Data.insights #21: Stabilität und Wandel: Welche Parteien können sich Wähler*innen mit und ohne Migrationshintergrund vorstellen zu wählen?
- Konrad-Adenauer-Stiftung (2025): Wahlverhalten von Menschen mit Migrationshintergrund
- DeZIM-Institut (2025): „Vernachlässigtes Wähler*innenpotential?”
- Wüst (2026) „Politische Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund”
- Goerres et al. „Politische Einstellungen und Präferenzen von Menschen mit familiärer Migrationsgeschichte in Deutschland”