Wie viele Lehrer*innen haben einen Migrationshintergrund?
2025 hatten schätzungsweise rund 15 Prozent aller Lehrer*innen an allgemeinbildenden Schulen einen Migrationshintergrund. Von ihnen hatten etwa 73 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit. Zum Vergleich: Unter den Schüler*innen an allgemeinbildenden Schulen hatten im selben Jahr 43 Prozent einen Migrationshintergrund.
Warum gibt es vergleichsweise wenige Lehrer*innen mit Migrationshintergrund?
Eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigt, dass Studienberechtigte mit Migrationshintergrund seltener eine Lehramtsausbildung wählen als Studienanfänger ohne Migrationshintergrund. Gründe sind der Studie zufolge die eingeschränkten beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten und das als gering wahrgenommene Ansehen des Berufs.
Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen sowie fehlende Vorbilder während der eigenen Schulzeit können auch dazu führen, dass Menschen nicht selbst als Lehrer*in arbeiten wollen.
Das Anerkennungsverfahren für ausländische Lehrkräfte bildet eine große Hürde, da es lange Bearbeitungszeiten der Anträge gibt und hohe Sprachkenntnisse erwartet werden. Im Ausland erworbenen Abschlüsse werden oft nicht anerkannt, weil sie Anforderungen nicht erfüllen. Viele zugewanderte Lehrkräfte müssen daher eine Ausgleichsmaßnahme – wie das Nachstudieren eines zweiten Unterrichtsfachs – durchführen.
Umgang mit Vielfalt an Schulen
Lehrer*innen mit Migrationshintergrund wird oft zugeschrieben, dass sie aufgrund ihrer eigenen Biographie besser mit Schüler*innen mit Migrationshintergrund und deren Eltern sowie mit Vielfalt an Schulen umgehen könnten. Sie sollen bei der „interkulturellen Öffnung” der Schulen helfen.
Studien zeigen, dass sie sich beim Umgang mit Vielfalt mehr zutrauen und etwa ihre Empathiefähigkeit ausgeprägter sein kann als bei Kolleg*innen ohne Migrationshintergrund. Forschungsergebnisse deuten zudem darauf hin, dass sie sich wegen ihrer Biografie stärker für die Themen verantwortlich fühlen. Jedoch wollen sie keinen Sonderstatus, sondern ein „selbstverständlicher Bestandteil des Kollegiums" und sowohl für die Kinder mit als auch die ohne Migrationshintergrund verantwortlich sein.
Wissenschaftler*innen betonen, dass der Umgang mit Vielfalt eine Aufgabe der Bildungspolitik sowie der gesamten Schulen sei und nicht auf einzelne Lehrkräfte übertragen werden sollte.
Welchen Einfluss haben sie auf den Lernerfolg ihrer Schüler*innen?
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Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigt, dass es keine signifikante Verbesserung der Leistungen von Schüler*innen in den Fächern Mathematik und Deutsch gab, nur weil sie von Lehrer*innen mit Migrationshintergrund unterrichtet wurden.
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Eine andere Studie ergab, dass die Lesekompetenz von Schüler*innen mit Migrationshintergrund an einer Hauptschule signifikant besser war, wenn sie von einer Lehrkraft mit Migrationshintergrund unterrichtet wurden. Die Autorin der Studie argumentiert, dass zweisprachige Lehrer Kompetenzen besäßen, die sich förderlich auf den Sprachunterricht auswirkten.
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Zudem sei ein Vorbildeffekt zu beobachten: Demnach würden sich Schüler*innen mit Migrationshintergrund eher von Lehrkräften mit Migrationshintergrund verstanden und unterstützt fühlen als von jenen ohne Migrationshintergrund.
Diskriminierungserfahrungen von Lehrer*innen mit Migrationshintergrund
Studien zeigen, dass Lehrkräfte mit Migrationshintergrund Diskriminierung an Schulen erfahren, etwa aufgrund ihres Akzents. Im Rahmen einer Befragung von 159 Referendar*innen und Lehrkräften mit Migrationshintergrund berichteten 60,4 Prozent, dass sie mindestens einmal selbst Rassismus am Arbeitsplatz erlebt haben. 65,5 Prozent von ihnen gaben an, dass die Diskriminierung von Personen aus dem eigenen Kollegium ausging. Mehr als ein Viertel (27,8 Prozent) der Diskriminierungen ging von Schüler*innen und deren Eltern aus.