Es gibt keine offiziellen Zählungen und Statistiken zu Sinti und Roma in Deutschland. Das "Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma" geht von etwa 70.000 in Deutschland lebenden Angehörigen der Minderheit aus. Das Minderheitensekretariat schlüsselt diese Zahl auf in etwa 60.000 deutsche Sinti und rund 10.000 deutsche Roma. Hinzu kommen Roma, die in Deutschland leben und eine ausländische Staatsangehörigkeit haben.
In einer Studie der Arbeitsgemeinschaft "RomnoKher" 2021 bezeichneten sich unter den Befragten in Deutschland
- 41,2 Prozent als Sinti
- 22,9 Prozent als Roma
- 2,5 Prozent verwendeten die Doppelform Sinti und Roma
- 4,3 Prozent nutzen die Fremdbezeichnung "Zigeuner"
-
9,2 Prozent lehnten eine Selbstbezeichnung im Zusammenhang mit einer Gruppenzugehörigkeit gänzlich ab.
Roma sind eine heterogene Gruppe und unterscheiden sich beispielsweise durch verschiedene Sprachen oder Religionen. Sie sind die größte ethnische Minderheit in Europa. Außerhalb des deutschen Sprachraums wird "Roma" als Name für die gesamte Minderheit verwendet.
- Sinti: Laut Minderheitensekretariat sind Sinti "die in West- und Mitteleuropa beheimateten Angehörigen der Minderheit". Sinti leben seit mehr als 600 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschland.
-
Roma: Als Roma werden diejenigen ost- und südosteuropäischer Herkunft bezeichnet. "Deutsche Roma" sind Personen, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Deutschland einwanderten.
Manche Selbstorganisationen von Sinti und Roma nutzen eine gegenderte Schreibweise (z. B. Sinti*zze und Rom*nja). Andere Organisationen verstehen diese aber nicht als Selbstbezeichnung und lehnen sie ab.
Sinti und Roma als nationale Minderheit
Sinti und Roma sind eine von vier anerkannten nationalen Minderheiten. Das heißt, die Gruppen sind seit Jahrhunderten in Deutschland heimisch und die Angehörigen sind deutsche Staatsbürger*innen. Ihnen stehen Rechte in Bezug auf Kultur, Tradition und Sprache zu. Von Bund und Ländern erhalten sie besonderen Schutz und spezielle Förderung. Roma, die in Deutschland leben und eine ausländische Staatsangehörigkeit haben, gehören nicht zur nationalen Minderheit.
Bislang wurden Sinti und Roma in vier Bundesländern im Rahmen von Staatsverträgen als Minderheit anerkannt: In Baden-Württemberg, Hessen, Bayern und Thüringen. In Schleswig-Holstein und in Brandenburg ist der Schutz von Sinti und Roma als Minderheit in der Landesverfassung festgehalten. In Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Berlin-Brandenburg und Hessen gibt es eine institutionelle Förderung etwa für Verbände.
Wie viele Roma leben in Europa?
Es gibt keine belastbaren Zählungen und Statistiken zu Roma in Deutschland und Europa. Zum einen, weil ethnische Minderheiten in vielen Ländern nicht erfasst werden. Zum anderen ist die Definition der Zugehörigkeit zu Sinti und Roma nicht eindeutig. Schätzungen reichen von von sechs bis 12 Millionen Roma in der EU bzw. in Europa.
Diskriminierende Fremdbezeichnung
Die Bezeichnung "Zigeuner" sehen viele Vertreter*innen der Sinti und Roma als diskriminierende Fremdbezeichnung und lehnen es ab. Der Begriff wurde in Deutschland als Synonym für Verunglimpfungen verwendet. Die Hasspropaganda der Nationalsozialisten trug dazu bei, die negative Bedeutung noch zu vertiefen. Beispielsweise wurde Sinti und Roma in Konzentrationslagern ein "Z" tätowiert.