Wann sind Kurden nach Deutschland eingewandert?

Für Kurden ist Deutschland das bedeutendste Migrationsziel in Europa. Die Migrationsbewegungen hängen meist mit Kriegen und Verfolgung in den Herkunftsländern zusammen.

Hinweis: Dies ist ein Auszug aus der Mediendienst-Expertise Kurden in Deutschland. Alle Quellen finden Sie in der Expertise.

Für Kurd*innen ist Deutschland das bedeutendste Migrationszielland in Europa. Die Migration der Kurd*innen nach Deutschland begann vor mehr als 100 Jahren und lässt sich in mehrere Phasen gliedern:

Frühe Migration ab 1920

Die nachweisbare kurdische Migration nach Deutschland reicht bis in die 1920er Jahre zurück. Die Einwanderer gehörten größtenteils der kurdischen intellektuellen Elite an. Sie kamen um zu studieren, für diplomatische Missionen, teils aus politischen Gründen. Sie gründeten diverse Studierendenvereinigungen, wie 1956 die „Kurdish Students Society in Europe” (KSSE).

Arbeitsmigration ab 1961

Eine neue Phase begann mit dem Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei. Die ersten Arbeitsmigrant*innen aus der Türkei wurden aus den westlichen und zentralen Landesteilen rekrutiert, wo wenige Kurd*innen lebten. Daher waren Kurd*innen unter den sogenannten Gastarbeiter*innen zunächst unterrepräsentiert. Ab den 1970er Jahren kamen zunehmend auch Arbeitsmigrant*innen aus dem südöstlichen, überwiegend kurdischen Teil der Türkei. Neben der Arbeitssuche waren für Kurden oftmals auch politische Konflikte und Repressionen Gründe, die Türkei zu verlassen. Mehrere Ereignisse verstärkten die Einwanderung von Kurden nach Deutschland während dieser Zeit zusätzlich, darunter zwei Militärputsche in der Türkei, mehrere schwere Erdbeben in mehrheitlich von Kurd*innen bewohnten Gebieten, Pogrome gegen kurdische Alevit*innen sowie der Zusammenbruch der kurdischen Bewegung im Irak 1975.

Politische Flucht in den 1980er und 1990er Jahren

Im Zuge des Militärputschs in der Türkei 1980 flohen rund 30.000 Kurd*innen nach Deutschland. Nach dem Sturz des Schahs im Iran flohen Kurd*innen vor der Unterdrückung durch die neue islamistische Regierung, unter der es zu Gewalt, Hinrichtungen und Verfolgung kam. Der Erste Golfkrieg (1980-1988) zwischen dem Irak und dem Iran sowie die genozidalen „Anfal-Operationen” (1988) zur „Säuberung” der kurdisch besiedelten Gebiete im Irak waren weitere wesentliche Auslöser für die Migration von Kurd*innen ins Ausland, u.a. nach Deutschland. Diese Entwicklungen setzten sich Anfang der 1990er Jahre fort: Der Zweite Golfkrieg 1991 und die gezielten Angriffe des Regimes Saddam Husseins auf kurdische Siedlungsgebiete lösten große kurdische Fluchtbewegungen aus. Etwa eine Million Kurd*innen flohen überwiegend in die Türkei und den Iran, aber auch nach Europa.

Flucht und Einwanderung seit 2011

Der Krieg in Syrien und das Erstarken des „IS” führten zu weiteren großen Fluchtbewegungen. Nach dem Genozid des „IS” an den Ezid*innen 2014 suchten zahlreiche Überlebende Schutz in Deutschland. Zudem verließen viele Kurd*innen, denen die syrische Regierung jahrzehntelang die syrische Staatsangehörigkeit vorenthalten hatte und die dadurch ohne regulären staatsbürgerlichen Status lebten, das Land. Ab 2016 führte die verstärkte Repression gegen oppositionelle und prokurdische Akteure in der Türkei zu weiterer Migration. Seit den Protesten nach dem Tod der Kurdin Jina Mahsa Amini im Jahr 2022 migrieren zudem vermehrt Kurd*innen aus dem Iran.

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