Judentum

Historiker gehen davon aus, dass Juden seit dem dritten und vierten Jahrhundert auf dem Gebiet leben, das heute die Bundesrepublik ist. Mit anderen Worten: Sie gehören zu Deutschland. Auch wenn Antisemitismus eigentlich kein Problem von Juden ist (sondern der gesamten Gesellschaft), kommt die Minderheit in den Medien meist in diesem Zusammenhang vor. Auch werden sie häufig mit Israelis gleichgesetzt. Das wird zum Beispiel deutlich, wenn israelische Politiker und Botschafter interviewt werden, obwohl es um Antisemitismus in Deutschland geht.

Juden in Deutschland

Vor der Schoa lebten in Deutschland zwischen 500.000 und 600.000 Juden. Einer Volkszählung vom Juni 1933 zufolge wurden 502.799 Menschen als "Juden" erfasst. Sechs Jahre später hatte sich die Zahl aufgrund von Emigration und Vertreibung mit 215.000 Personen bereits mehr als halbiert. Zum Beginn der Deportation in die Vernichtungslager war sie noch einmal auf rund 160.000 geschrumpft. Eine im April 1943 vorgenommene Erhebung führte nur noch knapp 32.000 Juden auf.QuelleZentralrat der Juden in Deutschland

Von den rund 15.000 zu Kriegsende noch in Deutschland lebenden Juden dürfte etwa ein Drittel die nationalsozialistische Verfolgung in der Illegalität überlebt haben. In Deutschland zu bleiben, war für viele Juden nach dem Holocaust eine schwere Entscheidung. Dennoch etablierten sich erneut jüdische Gemeinden in Deutschland. Seit 1990 erhalten sie Zuwachs durch osteuropäische Einwanderer, die das Gemeindeleben seither verändern. Inzwischen leben in Deutschland rund 100.000 Angehörige der jüdischen Gemeinde.

  • Einen Überblick über die Geschichte des Judentums in Deutschland bietet das Themenheft "Jüdisches Leben in Deutschland" der Bundeszentrale für politische Bildung.
  • Übersichtliche Informationen hierzu finden Sie auch auf der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Zentralrat der Juden und andere Gemeinden

Bis ins 19. Jahrhundert gab es keinen überregionalen Zusammenschluss von Juden in Deutschland. Eine einheitliche jüdische Organisation wurde erst kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mit dem "Zentralausschuss der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau" gegründet. Ihr erster Präsident war der Rabbiner Leo Baeck. Von den rund 200.000 jüdischen Einwohnern in Deutschland gehört heute rund die Hälfte den Mitgliedsgemeinden des "Zentralrats der Juden" an, der im Juli 1950 gegründet wurde.

Der "Zentralrat der Juden" (ZDJ) ist neben den großen christlichen Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdÖR) anerkannt. Dieser Status ist mit besonderen PrivilegienWie etwa dem Recht, Steuern einzuziehen und eigene Friedhöfe anzulegen; siehe hierzu Artikel 140 Grundgesetz, eine Auflistung der KdÖR in Deutschland sowie einen Artikel des Mediendienstes Integration zur Ahmadiyya-Gemeinde verbunden. Im Zentralrat sind verschiedene Gemeinden organisiert, deren Ausrichtung von streng orthodoxen, reformorientierten und konservativen bis zu liberalen Gemeinden reicht. Der ZDJ vertritt den Anspruch, die religiösen Interessen aller Juden in Deutschland zu vertreten.

Rund 5.000 Juden in Deutschland gehören der Union progressiver Juden (UPJ) an. Sie wurde 1997 gegründet und vereint liberale und progressive Gemeinden. Rund 90.000 Juden sind nicht in einer Gemeinde organisiert. Eine Übersicht von Mitgliedern in jüdischen Gemeinden seit 1950 bietet der Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst (REMID).

Ausrichtungen im Judentum

Grundsätzlich unterscheidet man im Judentum zwischen drei Ausrichtungen: dem orthodoxen, dem progressiven (beziehungsweise liberalen oder reformorientierten) und dem konservativen Judentum. Der Hauptunterschied besteht in der Herangehensweise an die Quellen und ihrem Verständnis.

Im Verständnis des orthodoxen Judentums ist die Thora das direkt offenbarte Wort Gottes. Das progressive Judentum versteht die Offenbarung hingegen als von Gott ausgehenden, aber durch Menschen vermittelten und damit dynamischen und progressiven Prozess. Das konservative Judentum wiederum will die Traditionen bewahren, sieht Veränderungen aber als notwendig an – sofern sie mit den religiösen Gesetzen vereinbar sind.QuelleInformationsplattform Religion des Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienstes (REMID)

Das liberale Judentum enstand vor allem im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts als Alternative zum orthodoxen Judentum. Bis zur Shoa hatte es sich zur vorherrschenden Glaubensrichtung entwickelt. Nach dem 2. Weltkrieg gewann mit der Gründung des Zentralrats der Juden in Deutschland (ZDJ) das orthodoxe Judentum an Bedeutung, das heute die einflussreichste Auslegung ist.

Durch die Unterstützung nicht-orthodoxer Weltverbände und die Einwanderung von Juden aus den ehemaligen GUS-Staaten seit Beginn der 1990er Jahre steigt die Zahl nicht-orthodoxer Gemeinden wieder. Diese werden vor allem durch die 1997 gegründete Union progressiver Juden in Deutschland (UPJ) vertreten.

Einen Überblick über die Ausrichtungen im Judentum und die Mitgliederzahlen bietet die Informationsplattform des Medien- und Informationsdienstes Religion (REMID). Weitere Informationen zum jüdischen Glauben, zu den Ausrichtungen und Gemeinden finden sich auf den Websiten des ZDJ sowie der UPJ.