Leben ohne Papiere: Irreguläre Einwanderer

Irreguläre Migranten, auch "Illegale" oder "Sans-Papiers" ("Ohne-Papiere") genannt, leben außerhalb der Reichweite von offiziellen Behörden. Daher gibt es nur wenig gesicherte Informationen über sie. Fest steht, dass ihre Zahl in den letzten Jahren gestiegen ist. Trotz ihres unsicheren Status nehmen sie am Leben in Deutschland teil, manche schon seit Jahren.

Wie kommen Menschen ohne Genehmigung ins Land?

Laut Experten des Katholischen Forums "Leben in der Illegalität" kommen die meisten zunächst zum Beispiel mit einem Visum legal nach Deutschland und bleiben, nachdem die Gültigkeit abgelaufen ist.

Inzwischen kommen auch irreguläre Einwanderer aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland, die wegen der Wirtschaftskrise dort nicht genügend Einkommen für ihren Lebensunterhalt aufbringen können.

Wie viele irreguläre Migranten leben in Deutschland?

Valide Zahlen gibt es nicht, denn Behörden und Hilfsorganisationen können keine Statistik dazu führen. Eine grobe Schätzung bietet das EU-finanzierte Rechercheprojekt "Clandestino", das eine Datenbank zu irregulärer Migration zur Verfügung stellt. Laut seinem 2015 veröffentlichten Bericht für Deutschland halten sich hier zwischen 180.000 und 520.000 irreguläre Einwanderer auf. Grundlage für die Schätzung sind Angaben der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik.

Die im neuesten Migrationsbericht genannte Zahl von rund 57.000 "unerlaubt eingereisten Personen" erfasst zum Beispiel keine Einwanderer, die zunächst legal in Deutschland gelebt haben und über die Dauer ihrer Genehmigung hinaus geblieben sind.

Wo arbeiten Einwanderer ohne Papiere?

Irreguläre Migranten arbeiten vor allem im Baugewerbe, in Hotels und Gaststätten, aber auch in Privathaushalten. Wer einen irregulären Status hat, gerät schnell in Abhängigkeit zu seinem Auftraggeber. Häufig arbeiten irreguläre Migranten unter schlechten Arbeitsbedingungen und können sich bei nicht ausgezahlten Löhnen nirgends beschweren.

Was machen ihre Kinder?

2011 wurde für Schulen und Kitas die Übermittlungspflicht abgeschafft – es muss den Behörden also nicht mehr mitgeteilt werden, wenn ein Kind ohne Papiere angemeldet wird.

Allerdings fehlt in den Ländergesetzen bislang eine Formulierung zum Anspruch auf Bildung dieser Kinder. Und irreguläre Migranten müssen für ihre Kinder in Kindertagesstätten oftmals den Höchstsatz zahlen, da sie keine Verdienstbescheinigung vorlegen können.