Diskriminierung am Ausbildungsmarkt 27.03.2014

Wenn der Name nicht deutsch klingt

Bewerber mit türkischem Namen werden bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz gegenüber denen mit deutschem Namen benachteiligt, trotz gleicher Qualifikation. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Diskriminierung auf dem Ausbildungsmarkt erstmals anhand eines Testing-Verfahrens gemessen hat. Abhilfe könnten den Forschern zufolge anonymisierte Bewerbungen und interkulturelle Schulungen in Betrieben schaffen.



SVR-Studie: Viele Betriebe bevorzugen Bewerber mit deutschem Namen. Foto: dpa-Report.

Um die Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund am Ausbildungsmarkt nachzuweisen, wurden im Rahmen der Studie sogenannte Korrespondenz-Tests (oder auch Testing-Verfahren) durchgeführt. Dafür wurden jeweils zwei Bewerbungen von gleich gut qualifizierten männlichen Jugendlichen, die sich lediglich durch einen deutschen oder türkischen Namen unterschieden, bundesweit an rund 1.800 Betriebe verschickt.

Im angelsächsischen Raum wird dieses Verfahren schon länger angewandt, um Diskriminierungen nachzuweisen. In Deutschland wurde es bisher nur vereinzelt genutzt, etwa um Benachteiligungen bei der Wohnungssuche zu belegen. Mit der aktuellen Studie des SVR Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht deutschen Stiftungen als unabhängiges, wissenschaftliches Expertengremium für die Bereiche Migration und Integration ins Leben gerufen. Seine Aufgaben: Bestandsaufnahmen und Entwicklungsanalysen, kritische Politikbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit. -Forschungsbereichs wurde es erstmals auf den Ausbildungsmarkt angewandt.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Die Rückmeldungen auf die insgesamt 3.600 Bewerbungen, die für die Ausbildungsplätze zum KfZ-Mechatroniker oder Bürokaufmann verschickt wurden, zeigen:

  • Um eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch zu erhalten, mussten die Jugendlichen mit deutschem Namen im Schnitt fünf Bewerbungen verschicken.
  • Bei den Bewerbern mit türkischem Namen waren dazu sieben Anschreiben nötig.
  • Im Bereich der Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker ist die Benachteiligung stärker ausgeprägt: Hier musste ein Jugendlicher mit türkischem Namen 1,5 Mal so viele Bewerbungen wie einer mit deutschem Namen verschicken, um eingeladen zu werden (7:4); bei den Bewerbungen um eine Ausbildung zum Bürokaufmann waren es nur 1,3 Mal so viele (7:6).
  • Auch die Unternehmensgröße beeinflusst das Ausmaß der Ungleichbehandlung: Der Studie zufolge ist sie bei kleinen Firmen mit weniger als sechs Mitarbeitern deutlich höher als bei mittleren und großen Unternehmen.

"Wir haben es in Deutschland mit einem ernsthaften Problem zu tun. Jugendliche mit Migrationshintergrund werden auf dem Ausbildungsmarkt massiv benachteiligt", sagte Jan Schneider, Leiter des SVR-Forschungsbereichs bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Dadurch blieben Potentiale ungenutzt. "Wo diskriminiert wird, entgehen den Betrieben geeignete Bewerber. Mittelfristig kann das die Sicherung des Fachkräftebedarfs schmälern." Die Benachteiligungs-Erfahrungen hätten aber auch negative Folgen für die Bewerber, die zu Resignation und Rückzug führen könnten.

Gründe für die Benachteiligung

Gründe für die Benachteiligung von Bewerbern mit nicht-deutschem Namen durch Personalverantwortliche sehen die Forscher in einem Mix verschiedener Faktoren. "In vielen Fällen passiert das in Folge unbewusster Assoziationen, Stereotype und auch manifester Vorurteile, die eher im Hintergrund wirken. Viele denken auch, dass ihre Kunden bestimmte Erwartungshaltungen haben, die jemand mit Migrationshintergrund nicht erfüllt", so Schneider.

Dies könnte eine Erklärung für die stärkere Benachteilgung bei angehenden KfZ-Mechatronikern sein, einem Beruf, der mit viel Kundenkontakt verbunden ist. Der Unterschied zwischen kleineren und größeren Betrieben wiederum könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Einstellungsverfahren bei Kleinunternehmen weniger formalisiert sind und eher informell ablaufen.

Welche Lösungsansätze sehen die Forscher?

Ein Mittel, um der Diskriminierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf dem Ausbildungsmarkt entgegenzuwirken, sehen die Forscher in anonymisierten Bewerbungen. So könnte verhindert werden, dass Bewerber allein aufgrund ihres Namens oder ihrer Herkunft von vornherein ausgeschlossen werden. Zu den Empfehlungen der Studie zählt aber auch eine stärkere interkulturelle Sensibilisierung von Ausbildern und Personalverantwortlichen. Zudem müsse das Thema politisch hoch aufgehangen werden.

Dieser Meinung ist auch die Integrationsbeauftragte des Bundes, Aydan Özoğuz. Für die betroffenen Jugendlichen sei die von der SVR-Studie aufgezeigte Diskriminierung "aus zweierlei Gründen eine Katastrophe": Sie starteten unter deutlich schlechteren Bedingungen ins Berufsleben und spürten, dass sie immer noch nicht selbstverständlicher Teil der Gesellschaft seien. "Deshalb rufe ich alle Arbeitgeber, Unternehmen genauso wie Personalentscheider in öffentlichen Verwaltungen auf, sich selbst zu überprüfen, ob sie frei von Vorurteilen bei der Besetzung von Ausbildungsstellen sind", so Özoğuz. Sie will das Thema zum Schwerpunkt des kommenden Integrationsgipfels machen.

Von Rana Göroğlu