Asylgeschäftsstatistik 2015 13.01.2016

Mehr Menschen als je zuvor erhalten Schutz

Nicht nur die Zahl der Asylanträge ist im letzten Jahr auf ein Rekordhoch gestiegen – auch die Schutzquote lag so hoch wie nie. Jeder zweite Asylbewerber durfte bleiben. Und: Das zusätzliche Personal für das zuständige Bundesamt macht sich bemerkbar, die Zahl der Entscheidungen ist spürbar gestiegen. Die Rückkehr zur Einzelfallprüfung für Syrer dürfte hingegen wieder zu mehr Antragsstau führen.



Eine Asylbewerberin spricht mit ihrer Sachbearbeiterin in der Berliner Außenstelle des BAMF. Foto: Thomas Lobenwein

Die aktuellen Reformvorhaben in der Asylpolitik kreisen stark um Asylbewerber "mit geringer Bleibeperspektive". Doch die offizielle Asylgeschäftsstatistik für 2015 vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zeigt, dass mehr Asylbewerber in Deutschland bleiben dürfen, als je zuvor. Einen Überblick zur Gesamtzahl der Asylanträge finden Sie hier.

Die wichtigsten Daten zu Asylentscheidungen 2015 im Überblick:

  • Mehr Menschen als je zuvor bekommen Schutz in Deutschland.
  • Die Zahl der gestellten Asylanträge hat 2015 ihren bisherigen Höchststand erreicht, ebenso wie der Anteil positiver Bescheide.
  • Die Personalsteigerungen beim BAMF zeigen Wirkung: Die Zahl der Entscheidungen konnte im Dezember 2015 spürbar gesteigert werden.
  • Die jünste Wiedereinführung der Einzelfallprüfungen für Syrer dürfte hingegen vor allem zu längeren Bearbeitungszeiten führen – bei ähnlichen Ergebnissen.

Schutzquote: Im vergangenen Jahr hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) über 283.000 Asylanträge entschieden, in 49,8 Prozent der Entscheidungen wurde Schutz gewährt. Von den 141.000 Personen, die das betrifft, bekamen 137.000 Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention, 1.700 erhielten subsidiären Schutz und bei 2.000 wurden Gründe für ein Abschiebeverbot festgestellt. Die bereinigte Gesamtschutzquote lag sogar bei rund 61 Prozent. Dieser Wert ergibt sich, wenn man von den bearbeiteten Fällen die "formellen EntscheidungenAls formelle Entscheidungen versteht man alle Fälle, die sich anderweitig erledigen, zum Beispiel wenn ein Antrag zurückgezogen wird oder der Bewerber einen deutschen Staatsbürger heiratet oder – was in den meisten Fällen zutrifft – weil nach der Dublin-Verordnung ein anderer Staat für den Asylantrag zuständig ist. " abzieht – also die Anträge, bei denen aus formalen Gründen und ohne inhaltliche Prüfung entschieden wurde.QuelleAsylgeschäftsstatistik 12/2015, Seite 2 und eigene Berechnung

Antragszahlen: Die Zahl der gestellten Anträge 2015 hat mit 477.000 Asylanträgen den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 1992 übertroffen (damals: 432.000 Asylanträge). Auch der Anteil positiver Entscheidungen durch das BAMF im vergangenen Jahr (49,8 Prozent) übertraf den bisherigen Höchststand von 2008 (37,7 Prozent).

Antragsstau: Die Personalaufstockung beim BAMF zeigt Wirkung. Im Dezember 2015 wurde über die Anträge von rund 43.000 Asylbewerbern entschieden. Das sind 22 Prozent mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Entscheidungen sogar um rund 175 Prozent: Im Dezember 2014 konnte das BAMF lediglich 16.000 Fälle zu Ende bearbeiten und Entscheidungen fällen.

Einzelfallprüfungen: Dass die Einzelfallprüfungen für Asylbewerber aus Syrien im Januar 2016 wieder eingeführt wurden (so wie für Antragssteller aus Eritrea und Irak) dürfte allerdings vor allem zu längeren Wartezeiten führen – bei ähnlichen Resultaten. Wurde im Jahr 2015 pro Monat im Schnitt über 8.800 Anträge von Syrern entschieden (bei 96 Prozent positiver Entscheidungen), waren es im Jahr 2014 – als die Einzelfallprüfung noch galt - pro Monat im Schnitt nur ein Viertel so viele, nämlich 2.200 Anträge (bei 89 Prozent positiver Entscheidungen). Abgelehnt wurden die Asylanträge von Syrern fast nie: nur 19 Mal im Jahr 2014 und 23 Mal im Jahr 2015.Quelle Asylgeschäftsbericht 12/2014 und 12/2015, jeweils Seite 2

Von Carsten Janke