Sinti und Roma

Dass offensichtlich mehr europäische Roma nach Deutschland kommen, stellt Journalisten vor eine Herausforderung: Wie soll man die Gruppe nennen? Oft ist von "Armutszuwanderern" die Rede, um eine ethnische Zuschreibung zu vermeiden. Teilweise wird fälschlich das Begriffspaar "Sinti und Roma" für Rumänen und Bulgaren verwendet. Die Debatte zeigt, wie wenig Informationen über die Gruppen bekannt ist, die in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt sind. In diesem Dossier finden Sie einige Erläuterungen sowie Zahlen und Fakten zum Thema.

Wer sind "die Roma"?

Die Frage ist schwer zu beantworten, da es sowohl innerhalb der Wissenschaft als auch unter Romagruppen verschiedene Antworten darauf gibt. Fest steht: Es handelt sich hier nicht um eine homogene Gruppe. Roma unterscheiden sich beispielsweise durch verschiedene Sprachen, Religionen, Gewohnheiten. Experten sprechen meist von Romagruppen statt von Roma.

Oft hört man, dass sie Nachfahren von Menschen seien, die vor über 1000 Jahren vom indischen Subkontinent nach Westen aufgebrochen sind. Wie aussagekräftig eine regionale Zuordnung zu Indien nach so langer Zeit sein kann, ist jedoch umstritten. Fakt ist: Roma (und Sinti) leben seit Jahrhunderten in Europa und Deutschland.QuelleDokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma

Nach welchen Kriterien wird dann jemand als Rom identifiziert?

Obwohl Roma keineswegs alle die gleiche Sprache sprechen, werden Menschen oft als Roma definiert, die Romani (auch Romanes genannt) sprechen. Oder die in einem separierten Romaviertel leben. Wie schwammig die Zuordnung ist, zeigt auch die offizielle Definition der Europäischen Union: "Roma: Oberbegriff für Gruppen von Menschen mit mehr oder weniger ähnlichen kulturellen Besonderheiten, zum Bsp. Sinti, Fahrende, Kalé, Gens du voyage, egal ob diese sesshaft sind oder nicht."QuelleWebsite der EU, ganz unten

Sinti? Roma? Wie bezeichne ich die Gruppe richtig?

Darf man noch – oder wieder – "Zigeuner" sagen? Wen nennt man "Roma"? Und wann muss man die Doppelformel "Sinti und Roma" verwenden? Osteuropa-Experte Norbert Mappes-Niediek hat diese Fragen in einem Artikel für den Mediendienst beantwortet. In Auszügen:

Zigeuner

Von dem Wort "Zigeuner" fühlen einige Menschen sich verletzt und beleidigt. Wer niemanden beleidigen will, sollte von "Roma" sprechen. Es stimmt zwar, dass manche das Wort selbst verwenden oder vorziehen – besonders in Rumänien und Ungarn. In dieser Haltung steckt häufig Skepsis gegenüber dem Anspruch einer Roma-Nationalbewegung. Tatsache aber bleibt: Der Begriff "Zigeuner" wurde in Deutschland nie als neutrale Zuschreibung für eine Volksgruppe verwendet, sondern immer auch als Synonym für Verunglimpfungen wie "asoziales Gesindel". Die Hasspropaganda der Nationalsozialisten trug dazu bei, die negative Bedeutung noch zu vertiefen.

Roma

Auf dem ersten "Weltkongress" der Roma-Nationalbewegung 1971 in London einigten sich die versammelten Aktivisten auf das Wort "Roma". Inzwischen hat sich das Wort fast überall durchgesetzt:

  • "Rom" bedeutet in der Sprache Romanes (Ehe-)mann oder Mensch,
  • "Romni" heißt (Ehe-)frau,
  • und der Plural "Roma" wurde schon länger, besonders in Rumänien, auch als Volksname verwendet.

Als "deutsche Roma" werden diejenigen bezeichnet, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Deutschland gekommen sind.

Sinti

Schon bevor sich der Begriff "Roma" um 1970 international auszubreiten begann, hatten sich Aktivisten in der Bundesrepublik auf die Bezeichnung "Sinti" (Singular männlich: Sinto, weiblich: Sintizza) geeinigt. Damit sind die Nachfahren von Gruppen gemeint, die bereits seit dem 15. Jahrhundert nach Deutschland eingewandert sind. Der Begriff "Sinti" leitet sich wohl von der Region Sindh im heutigen Pakistan ab. Sinti werden als eine Untergruppe der Roma gesehen, legen aber großen Wert auf ihre Eigenständigkeit. Verwendet wird der Begriff nur in Deutschland, Österreich und Teilen Norditaliens.

Neuzuwanderer aus Rumänien oder Bulgarien, Serbien oder Mazedonien als "Sinti und Roma" zu bezeichnen, ist deshalb falsch. Auf sie trifft – gegebenenfalls – nur die Bezeichnung Roma zu.

Wie viele Sinti und Roma leben in Deutschland?

Das "Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma" spricht von etwa 70.000 in Deutschland lebenden Angehörigen der Minderheit, die auf dem heutigen Bundesgebiet beheimatet sind. Die Bundesregierung schlüsselt diese Zahl auf in 60.000 deutsche Sinti und 10.000 deutsche Roma. Beide geben nicht an, wo sie die Zahl herleiten.QuelleWebsite des Dokumentationszentrums und Website des Bundesbeauftragten für Nationale Minderheiten

Grundsätzlich gibt es keine aussagekräftigen Zählungen und Statistiken zu Roma in Deutschland und Europa. Zum einen, weil ethnische Minderheiten in vielen Ländern nicht erfasst werdenIn einer 1998 publizierten Erhebung des Europarates zeigte sich, dass lediglich 15 von 37 Staaten Erfassungen nach ethnischen Kriterien vornehmen. Vgl. Fußnote 2. . Zum anderen ist die Definition der Zugehörigkeit zu Romagruppen nicht eindeutig und schwierig.

So bestehen Angaben über die Größe der Romabevölkerungen in europäischen Ländern meist nur aus groben Schätzungen. Hier wird in der Regel eine Spanne zwischen einem geschätzten Mindestwert und einem Höchstwert aufgeführt. Wie die Schätzungen zustandekommen, bleibt unerwähnt. Je nach Quelle finden sich Angaben von sechs bis 12 Millionen Roma in der EU bzw. in Europa. Damit wären sie hier die größte ethnische Minderheit.QuelleWebsite der Europäischen Kommission, Website der Europäischen Grundrechteagentur, "Der Europäische Sozialfonds und Roma", EU-Publikation von 2010

Als nationale Minderheit anerkannt: Was heißt das?

In Deutschland leben laut Bundesinnenministerium vier anerkannte nationale Minderheiten, die "seit Jahrhunderten traditionell heimisch und deutsche Staatsbürger sind, die aber eine andere Muttersprache und Kultur haben". Dazu zählen: Dänen, Friesen, das sorbische Volk sowie die deutschen Sinti und Roma. Sie erhalten in Deutschland durch Bund und Länder einen besonderen Schutz und eine spezifische Förderung.

Anerkannte Minderheiten genießen besondere Rechte und sollen bei der Bewahrung ihrer Kultur, Tradition und Sprache unterstützt werden. Bislang wurden deutsche Sinti und Roma in zwei Bundesländern per Staatsvertrag anerkannt: In Baden-Württemberg und in Schleswig-Holstein. In Hessen gibt es ebenfalls eine institutionelle Förderung im Rahmen einer Vereinbarung.

EU-Fortschrittsbericht zu Roma

Im April 2011 hat die Europäische Kommission eine Erklärung herausgegeben unter dem Titel: "EU-Rahmen für nationale Strategien zur Integration der Roma bis 2020". Darin rief sie alle EU-Länder dazu auf, ein Strategiepapier zur Verbesserung der Lage von Roma vorzulegen und stieß ein Berichte-Pingpong an:

  • Die Bundesrepublik verfasste das angeforderte Papier im Dezember 2011. Darin heißt es, dass Deutschland keine explizite Strategie brauche, da die geschätzten 70.000 hier lebenden Sinti und Roma "gut integriertBericht der Bundesregierung, S.15" seien.
  • Nach Analyse der eingereichten Papiere aller Länder kam die Kommission im Mai 2012 zu dem Ergebnis, "dass sich die Mitgliedstaaten um ein Gesamtkonzept für die Integration der Roma bemüht haben". Allerdings müssten nun konkrete Umsetzungen folgen, bis Oktober 2012 bitte man um Mitteilung über den Stand der Umsetzung.
  • Im Dezember 2012 reichte Deutschland diesen Bericht ein – eine Ansammlung aller lokalen Projekte und politischen Ansätze, die das Bundesinnenministerium unter dem Schlagwort Roma in Deutschland gefunden hat. Geld wurde dafür nicht gesondert ausgegeben.
  • Im Juni 2013 folgte die ernüchternde Bilanz für den gesamten EU-Raum, aber auch speziell für Deutschland. Auf einer übersichtlichen Check-ListeFact-Sheet, S. 3 und 4 erfüllte die Bundesrepublik von 22 Punkten gerade einmal einen. Mehr Versäumnisse fanden sich nur bei Zypern und Luxemburg.
  • Im April 2014 veröffentlichte die Europäische Kommission den zweiten Bericht über die Förderung der Integration von Roma. Demnach habe Deutschland in den letzten Jahren einige Fortschritte in den Bereichen Wohnraum und Bildung erzielt, hervorgehoben wird hier unter anderem der Berliner Aktionsplan. Trotzdem empfehlen die Autoren eine weitere Stärkung lokaler Projekte und vor allem eine engere Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft.
  • Im April 2015 antwortete das Bundesinnenministerium mit einem weiteren Fortschrittsbericht. Darin heißt es unter anderem, die "Nationale Roma-Kontaktstelle" sei im Bundesministerium des Innern platziert. Allerdings wurden für die Koordinierung der bundesweit verstreuten Projekte keine zusätzlichen Personalkosten zur Verfügung gestellt. Es werde "erwogen", eine gemeinsame Veranstaltung mit Vertretern anderer Bundesressorts, den Ländern und Kommunen durchzuführen.

EU-Förderungen für die Integration von Sinti und Roma

Anders als es oft den Anschein hat, gibt es in der Europäischen Union kein Förderprogramm, das spezifisch für die Integration von Roma und Sinti gedacht ist. Seit 2008 wirbt die Europäische Kommission allerdings aktiv dafür, dass alle Mitgliedstaaten die StrukturfondsZu den Fördertöpfen zählen etwa der Europäische Sozialfonds (ESF), der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und der Europäische Landwirtschaftsfonds (ELER). der EU für eine bessere Integration der Roma nutzen.

In einer Pressemitteilung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2010 heißt es: ZwölfBulgarien, Finnland, Griechenland, Irland, Italien, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Ungarn und die Tschechische Republik Mitgliedstaaten haben Förderprogramme für Roma und andere "gefährdete Bevölkerungsgruppen" in Höhe von insgesamt 17,5 Milliarden Euro aufgelegt – davon 13,3 Millionen aus dem Europäischen SozialfondsIm Zeitraum 2007-2013 betrug der Umfang des Fördertopfes für die Inklusion von sozial benachteiligten Personen 26,5 Milliarden Euro. Laut dem EU Fortschrittsbericht 2014, Seite 26, hat Deutschland zwischen 2007 und 2013 rund 20 Prozent der Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ca. 1,9 Milliarden Euro) zu diesem Zweck angewandt.. Das entspricht 27 Prozent des ESF-Gesamtbudgets.

In einer Empfehlung des Europäischen Rates zum Thema "wirksame Maßnahmen zur Integration der Roma" heißt es: Auf der Grundlage des Finanzrahmens 2014-2020 müssen die Mitgliedstaaten mindestens 20 Prozent ihrer Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds für die soziale Inklusion verwenden. Außerdem fordert die Kommission die nationale Regierungen dazu auf, für die Integration der Roma auch Mittel aus dem nationalen Haushalt zuzuweisen.

Wofür wird das Geld ausgegeben? In einer interaktiven Karte der "Generaldirektion für Beschäftigung, Soziales und Integration" werden lokale Projekte für die soziale Inklusion der Roma aufgezeigt: Unter anderem der Bürgermeisterbund für die Inklusion der Roma (MERI), die EUROCITIES Taskforce für die Inklusion der Roma und das Europäische Bündnis der Städte und Regionen für die Inklusion der Roma.

Die Roma-Dekade: 2005 bis 2015

Im Jahr 2005 unterzeichneten zuerst acht europäische Staaten die "Decade of Roma Inclusion 2005–2015" ("Roma-Dekade"). Die Staaten verpflichteten sich damit, die Diskriminierung von Roma möglichst zügig abzubauen. Später schlossen sich vier weitere Staaten der Initiative an. Bis heute unterzeichneten: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, die Tschechische Republik, Ungarn, Mazedonien, Montenegro, Rumänien, Serbien, die Slowakei und Spanien – der Vorsitz wechselt jährlich.

Die Roma-Dekade wird von der Weltbank, der EU, diversen Regierungen und privaten Stiftungen gefördert. Im Zusammenhang damit wurde 2005 der Roma Education Fund (REF) gegründet, eine Stiftung, die sich mit Programmen vor Ort für mehr Bildungserfolge von Roma einsetzt. Die Mittel für den REF stammen von der Weltbank, dem Open Society Institute und weiteren Sponsoren.

Untersuchungen zu Roma im Bildungsbereich

Die erste breit angelegte Studie zur Bildungssituation deutscher Sinti und Roma stammt von 2011, durchgeführt von der Roma-Interessenvertretung "RomnoKher". Die Auswertung von 275 Interviews belegt eine Bildungsmisere:

  • Rund 13 Prozent der deutschen Roma und Sinti haben nie eine Schule besucht.
  • 44 Prozent haben sie ohne Abschluss wieder verlassen. Die Autoren nennen als mögliche Erklärung dafür einen anderen dramatischen Befund:
  • Über 80 Prozent der Befragten äußerten persönliche Erfahrungen mit Diskriminierung und Beleidigung – besonders in der Schule.

In einer noch unveröffentlichten Studie im Auftrag der Hildegard Lagrenne Stiftung und der Freudenberg Stiftung aus dem Jahr 2016 wurden zudem die Bildungsbiographien erfolgreicher Frauen aus Roma- und Sinti-Familien untersucht. Die befragten Frauen berichteten von Diskriminierungen in der Schule – besonders schwer erweist sich der soziale Aufstieg für Frauen mit unklarem Aufenthaltsstatus (Duldung oder irregulärer Aufenthalt in Deutschland). Entscheidend für den Bildungserfolg war die Unterstützung der Familie und der Einfluss starker weiblicher Vorbilder. Die Autorinnen der Studie fordern gezielte Fördermaßnahmen für den Bildungsaufstieg von Romnja und Sintezza.

Antiziganismus in der Europäischen Union

Roma sind in der EU häufig Opfer von Zwangsräumungen, behördlichen Schikanen und gewalttätigen Angriffen. Zu diesem Ergebnis kommt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem Bericht von 2014. Am Beispiel von Griechenland, Tschechien und Frankreich beschreibt sie, dass die Polizei bei gewalttätigen Angriffen auf Roma oftmals nicht einschreite. Gegen die Täter werde häufig nicht ernsthaft ermittelt und mutmaßliche rassistische Motive würden ignoriert.

In einigen Ländern, etwa in Griechenland, gingen auch Polizisten selbst mit exzessiver und rassistischer Gewalt gegen Roma vor. Anstatt die Gewalt gegen Roma zu verurteilen, würden europäische Politiker häufig den Betroffenen selbst die Schuld geben und einen mangelnden Integrationswillen unterstellen. Die Autoren der Studie fordern daher eine klare Positionierung der Regierungen, dass rassistische Tatmotive nicht toleriert werden. Um die systematische Diskriminierung von Roma in Europa zu bekämpfen, müsse die EU-Kommission die Umsetzung der Antirassimus-Richtlinie stärker überwachen und Vertragsverletzungen stärker ahnden.Quelle Pressemitteilung von Amnesty International vom 8. April 2014.

Ein besonders deutliches Beispiel dafür, wie tief antiziganistische Stereotype verankert sind, war 2013 der Fall eines angeblich entführten Kindes in Griechenland. Polizisten trennten das Mädchen, das unter dem Namen Maria Schlagzeilen machte, nach einer Hausdurchsuchung von seiner Familie. Die Begründung: Mit den blonden Haaren könne es nicht zu den Roma-Eltern gehören und müsse also entführt worden sein. Bis sich der Verdacht als falsch erwies, folgten auch viele Medien dieser Annahme.QuelleSpiegel Online vom 29.10.2013 und Süddeutsche Zeitung vom 6.11.2013.

Ansprechpartner zu Roma & Sinti

In Deutschland und Europa gibt es eine Vielzahl von Roma-Vertretungen und Forschungsinstituten. Wir stellen hier eine kleine Auswahl vor:

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma

Der Zentralrat ist die wohl bekannteste Selbstorganisation und oftmals erste Anlaufstelle für Medien. Für den Kontext mit Osteuropäern ist er nicht immer der richtige Ansprechpartner: Seine Mitglieder verstehen sich als politische Interessenvertretung der seit Jahrhunderten in Deutschland lebenden Sinti und der seit dem 19. Jahrhundert hier lebenden Roma, die so gut wie alle deutsche Staatsbürger sind. Der Dachverband wurde 1982 mit Sitz in Heidelberg gegründet und vereint elf Landesverbände und regionale Zusammenschlüsse. Der Zentralrat ist Träger des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma.

Landesverband Deutscher Sinti und Roma Schleswig-Holstein

Im November 2012 gelang es den Mitgliedern des Verbandes nach jahrelangen Bemühungen, dass Sinti und Roma in Schleswig-Holstein unter den Schutz der Landesverfassung gestellt wurden. Es ist damit das erste Bundesland, in dem Sinti und Roma als ethnische Minderheit anerkannt sind, ebenso wie Dänen und Friesen.

Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti e.V.

Der Verband vertritt und berät die rund 12.000 in Niedersachsen lebenden Sinti. Die Mitglieder vermitteln vor allem zwischen Betroffenen und Behörden sowie Institutionen. Außerdem wollen sie das Europäische Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten durchsetzen, zu denen auch die deutschen Sinti und Roma gehören.

Rom und Cinti Union e.V. (RCU)

Der Verein fungiert sowohl als erste Anlaufstelle für viele Roma-Einwanderer als auch als Beratungsstelle für ihre Nachkommen. Seine Mitglieder helfen vorwiegend in sozialen und rechtlichen Belangen, treten aber auch zu Bleiberechtsfragen an die Öffentlichkeit. Die Union wurde 1983 gegründet und hat ihren Sitz in Hamburg. "Cinti" ist übrigens eine der verschiedenen Schreibweisen für Sinti.

RomnoKher (Mannheim)

RomnoKher trägt den Namenszusatz "Haus für Kultur, Bildung und Antiziganismusforschung" und wird vom Landesverband Deutscher Sinti Baden-Württemberg, der Freudenberg Stiftung und der Gesellschaft für Antiziganismusforschung getragen. Das Kulturhaus beherbergt die Hildegard-Lagrenne-Stiftung und wurde als erste Roma-Einrichtung 2013 von Bundespräsident Joachim Gauck besucht.

Amaro Drom / Amaro Foro e.V. (Berlin)

Amaro Drom ist eine bundeweite Jugend-Selbstorganisation von Roma und Nicht-Roma. Amaro Foro ist ihr Berliner Landesverband. Der Verein bietet unter anderem Beratung an und setzt sich besonders für die Belange rumänischer und bulgarischer Roma ein.

Roma Center Göttingen e.V.

Das Roma Center Göttingen wurde 2006 von Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien gegründet. Sein Fokus liegt auf der Arbeit mit Flüchtlingen aus dieser Region. Bekannt wurde der Verein in einigen Kreisen, weil er die Kampagne "Alle bleiben!" ins Leben gerufen hat, für ein "Bleiberecht für Roma und alle langjährig geduldeten Flüchtlinge in Deutschland".

Verein für Geschichte und Leben der Sinti und Roma in Niedersachsen e.V. (Hannover)

Der Verein macht Öffentlichkeitsarbeit zu Geschichte und Alltag von Sinti und Roma in Niedersachsen. Er arbeitet eng mit dem Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti e.V. zusammen.

Sinti-Allianz Deutschland (SAD)

Im Gegensatz zu anderen Organisationen vertritt die Allianz den Standpunkt, dass Roma und Sinti keine gemeinsame Minderheit sind. Der Verein ist gegen eine spezielle staatliche Förderung ihrer Sprache und Kultur und hält entgegen der meisten anderen Roma und Sinti-Organisationen an dem Begriff "Zigeuner" als Selbstbezeichnung fest.

Gesellschaft für Antiziganismusforschung e.V.


Die Gesellschaft ist eine der wenigen Forschungseinrichtungen speziell zum Thema. Die Wissenschaftler arbeiten zu AntiziganismusDer Begriff "Antiziganismus" wird unter Fachleuten diskutiert und mitunter kritisiert, weil er das Wort "Zigeuner" beinhaltet. in allen gesellschaftlichen Bereichen und stellen ihre Ergebnisse in der Öffentlichkeit zur Diskussion.

European Academic Network on Romani Studies

Das englischsprachige Netzwerk vereinigt Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen wie der Politologie, Soziologie, Ethnologie und Geschichtswissenschaft. Das Netzwerk ging 2009 aus einer Initiative des Europarats und der Europäischen Union hervor.

Roma Education Fund (REF)

REF ist eine professionelle Nichtregierungsorganisation mit Sitz in der Schweiz, die sich mit Projekten und Strategiepapieren für Roma im Bereich Bildung stark macht. Die Organisation ist mit ihren Angeboten vor Ort aktiv, unter anderem in Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Montenegro.